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Klevere Lösungen von der Stange

Künstliche Intelligenz ist das vielleicht spannendste technologische Entwicklungsfeld unserer Zeit. Doch in Deutschland scheint das Thema eng verbunden mit einer gehörigen Portion „German Angst“. War die öffentliche Debatte vor ein paar Monaten noch hauptsächlich von Befürchtungen geprägt, KI würde massenweise Arbeitsplätze vernichten, geht es nun um die Angst, den Anschluss an Länder wie China oder die USA verloren zu haben. Doch wie steht es wirklich um Künstliche Intelligenz am Wirtschaftsstandort Deutschland?

Deloitte hat für den „State of AI in the Enterprise Survey“ die Fakten zusammengetragen und KI-Verantwortliche weltweit befragt, darunter auch 100 Entscheider aus deutschen Unternehmen. Die gute Nachricht vorweg: Deutschlands Firmen beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz und sind bei gewissen KI-Technologien im internationalen Vergleich vorne mit dabei. Die fünf Schlüsselergebnisse im Überblick:

1. KI-Technologien: Von allem etwas und eine Extraportion Process Robotics

„Es ist erfreulich, dass es bei der Anwendung von AI-Technologien in deutschen Unternehmen keine generellen Lücken gibt“, sagt Milan Sallaba, Partner und Technology Sector Lead bei Deloitte. „Alle Varianten Künstlicher Intelligenz kommen zum Einsatz. Auffällig ist allerdings die starke Verbreitung von Process Robotics in Deutschland. 67 Prozent der befragten deutschen Unternehmen nutzen robotergesteuerte Prozessautomatisierung.“ In den internationalen Vergleichsmärkten USA, China, UK, Frankreich, Kanada und Australien setzen derzeit nur 49 Prozent diese Technologie ein. Bei keiner anderen AI-Variante weichen deutsche Unternehmen so stark vom internationalen Durchschnitt ab.

2. KI-Strategien: Die großen Visionen fehlen noch

Aufholbedarf im internationalen Vergleich gibt es allerdings beim Thema Strategie. So verfügen erst ein Viertel (26 Prozent) der befragten Unternehmen eine umfassende, unternehmensweite KI-Strategie. In allen sechs Vergleichsmärkten ist man bereits weiter: Im Durchschnitt haben dort bereits 35 Prozent der Unternehmen eine übergreifende KI-Strategie.

KI wird hierzulande überwiegend auf Abteilungsebene umgesetzt. Will Deutschland nicht als AI-Anwendungsmarkt abgehängt zu werden gilt es, diese Lücke schnellstmöglich zu schließen. Die KI-Entwicklung verlagert sich derzeit von der Implementierung einzelner Anwendungen hin zu einem umfassenden KI-Einsatz in der gesamten Wertschöpfungskette – dazu braucht es umfassende Strategien.

3. Herausforderungen und Risiken: Eine Frage des Vertrauens

Die Zurückhaltung bei der Entwicklung übergreifender KI-Strategien ist vielleicht auch auf das noch immer ausbaufähige Vertrauen deutscher Unternehmen in Künstliche Intelligenz zurückzuführen. Intern werden KI-Initiativen häufig eher mit Sorge begleitet. Die Angst, falsche Entscheidungen basierend auf KI zu treffen, ist verhältnismäßig groß. 46 Prozent der deutschen Unternehmen haben entsprechende Bedenken geäußert. Unsicherheit herrscht aber vor allem beim Thema Cyber-Sicherheit. Hier fürchten deutsche Unternehmen vor allem den Diebstahl sensibler Daten und Algorithmen.

4. AI-Skills: Fachkräftemangel als Bremse

Die größte Herausforderung für die Unternehmen ist allerdings der Mensch. Es fehlen Fachkräfte. 62 Prozent der Befragten beklagen fehlende KI-Kompetenzen, mehr als jedes fünfte Unternehmen spricht sogar von großen Schwächen in diesem Bereich. Bemerkenswert ist, dass sich der Mangel nicht primär auf IT- und Tech-Spezialisten erstreckt. Viele Unternehmen suchen händeringend nach Change-Managern, die die digitale Transformation im Unternehmen organisieren und behutsam umsetzen.

5. Implementierung: Nicht immer das Rad neu erfinden

Ein Mittel im Kampf gegen den Fachkräftemangel erfreut sich bei deutschen Unternehmen bereits großer Beliebtheit und prägt damit maßgeblich die Implementierung von Künstlicher Intelligenz in den Firmen: „AI as service“ (AIas) oder salopp gesagt: „KI-Lösungen von der Stange“. Nur 15 der befragten Unternehmen implementieren KI hauptsächlich mit firmeneigenen Kräften.

Stattdessen setzen 65 Prozent der Studienteilnehmer auf fertige KI-Bausteine für die eigenen Produkte und Dienstleistungen. In den internationalen Vergleichsmärkten nutzen nur 49 Prozent diese Möglichkeit. Die Offenheit deutscher Unternehmen ist potenziell vorteilhaft, denn cloud-basierte „off the shelf“-Lösungen versprechen einen schnellen und relativ kostengünstigen Zugang zu intelligenten Produkten, Services und Geschäftsmodellen. Für die Verbreitung und nicht zuletzt die Demokratisierung von Künstlicher Intelligenz sind diese fertigen KI-Lösungen essenziell, da so auch kleinere Unternehmen mit KI arbeiten können, die weder den Anspruch noch die Ressourcen haben, die Technologie von der Pike auf selbst für die eigenen Zwecke zu entwickeln.

Künstliche Intelligenz ganzheitlich denken

„Die Ergebnisse zeigen, dass der KI-Standort Deutschland eindeutig noch nicht ‚abgehängt‘ ist“, bilanziert Milan Sallaba. „Führende deutsche Unternehmen haben längst den Mehrwert von Künstlicher Intelligenz für die eigenen Produkte und Dienstleistungen, aber auch für interne Abläufe erkannt und sind die ersten Schritte erfolgreich gegangen.“ Jetzt gehe es darum, KI ganzheitlich zu denken und die Strategielücke zu schließen, denn Künstliche Intelligenz werde nicht nur einzelne Bereiche, sondern ganze Wertschöpfungsketten verändern.

„Statt hier wie das sprichwörtliche Reh im Scheinwerferlicht zu verharren, sollten wir diese Veränderungen aktiv mitgestalten. Unternehmen kommt hier eine Vorreiterrolle zu – sie haben die Ressourcen und sind aufgerufen, ihre Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden und KI-Lösungen zu entwickeln, die Ängste und Befürchtungen ernst nehmen und ihnen ein positives Ergebnis entgegenstellen.“

Inhaltlich verantwortlich für die Studie ist Milan Sallaba, Partner und Technology Sector Lead bei Deloitte.

Weitere Informationen sowie die vollständige Studie zum Download finden Sie hier auf der Deloitte-Website.

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