Fester Gestaltungswille alleine genügt nicht

Buchvorstellung: Dietmar Trippner über das Einmaleins der Methodenexzellenz bei der Strategieumsetzung

An vielen Stellen fordert die Digitalisierung uns heraus und zwingt uns, strategische Entscheidungen zu treffen – so etwa in der Automobilindustrie, wo in den kommenden Jahren viele Arbeitsplätze „neu erfunden“ werden müssen. Aber auch andere Branchen wie der Maschinen- und Anlagenbau sind davon tiefgreifend betroffen. Zwar lassen sich neue Leistungsversprechen auf dem Reißbrett zügig skizzieren, doch müssen die damit einhergehenden Veränderungen im Vorfeld sorgfältig erfasst und konzertiert beherrscht werden – das beabsichtigte Ziel darf bei allem Widerstand, etwa der eigenen Mannschaft, nicht aus den Augen verloren werden.

Wie kann dies gelingen? Der Autor von „Das 1×1 der Strategie“, Dietmar Trippner, war im Vorfeld zur Recherche des Buches enttäuscht, dass es keine industrietaugliche Literatur für die effektive Strategiearbeit gibt, obwohl sie doch eigentlich zum Handwerkzeug eines jeden Managers gehören sollte. Bekanntermaßen ist der Nutzen wissenschaftlicher Arbeiten zu diesem Sujet als Orientierungshilfe für die Praxis eher begrenzt. Was wir brauchen, ist eine Art „Man nehme…“ im Stile von Kochrezepten. Dies scheint offensichtlich auch Trippners Absicht gewesen zu sein.

Mit diesem Werk lässt uns der Autor noch einmal die Schulbank drücken – und wir sind ihm dankbar. Ausgehend von „Vision, Zielrichtung und Ziel“ werden alle Grundelemente einer Strategieentwicklung bis hin zu „strategischem Denken und Handeln“ in jeweils eigenen Kapiteln kurzweilig abgearbeitet. Immer wieder eingestreute Zitate großer Denker wie Seneca, Machiavelli, von Clausewitz – und auch moderner wie Kuenheim, Musk oder Porter – lockern die Lektüre auf. Ein „Strategie-Tableau“ als Visual übernimmt die Funktion des Kompass, sodass der Leser stets das Gefühl hat, bei diesem fordernden Thema auf festem Boden zu stehen.

Auch griffige Anwendungsbeispiele fehlen nicht: etwa das Ziel der Gehaltserhöhung oder der Schaffung durchgängiger IT-Prozesse. Letzteres ist, wenn man so will, die Wahlheimat des Autors, in der er sich seine Meriten erworben hat. Trippners beruflicher Werdegang legt in beeindruckender Weise Zeugnis davon ab. Besonders gut gefallen hat uns das Kapitel „Anwendbare Methoden“. Wer hierbei eine glückliche Hand beweist, reduziert die Aufwände bei der Strategieumsetzung signifikant. Wiederum kochrezeptartig werden alle erdenklichen Methodenbausteine durchgegangen – sehr informativ. Dem Leser ist es ja freigestellt, seine Kenntnisse über das Literaturverzeichnis am Schluss zu vertiefen.

Es handelt sich um ein sehr lesenswertes Fachbuch. Vor dem Hintergrund der speziellen Expertise Trippners, wäre es sicherlich spannend zu erfahren, welchen Stellenwert er die Digitalisierung bei der Strategieentwicklung für Unternehmensausrichtungen und Geschäftsprozessen beimisst.

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