Gute Gründe für 3DEXPERIENCE CATIA

Trefflicher lässt es sich kaum ausdrücken: Das Motto der CATIA Creative Design & Engineering Days lautete: Formen wir die Welt, in der wir leben (Shape the world we live in). Dassault Systèmes zeigte, wie das gelingen kann.

MÜNCHEN, 4. und 5. Juni (bv). Die Zeiten sind vorbei, in denen Computer-aided Design (CAD) lediglich als so etwas wie „Commodity“ abgetan wurde. „Die Begeisterung für dieses Thema ist zurückgekehrt“, betonte Olivier Sappin (unser Bild), CEO CATIA von Dassault Systèmes, in seiner Eröffnungsrede „How and Why 3DEXPERIENCE CATIA“ zu den CATIA Creative Design & Engineering Days. Die Veranstaltung fand vor den Toren Münchens im Science Congress Center auf dem Campus der Technischen Universität München (TUM) in Garching statt. Der Veranstalter konnte dort 344 Teilnehmer aus 23 Ländern in Empfang nehmen, viel mehr als erwartet. Damit übertraf dieses neue Veranstaltungsformat die Erwartungen deutlich.
Der Ansturm brachte klar zum Ausdruck, wie viel Aufmerksamkeit CAD inzwischen wieder geschenkt wird. Ein triftiger Grund dafür ist, dass es sich dabei eher um CA(AI)D handelt – um ein durch künstliche Intelligenz beflügeltes CAD. Das ist auch gut so, denn der Aufgabenumfang der modellierenden Ingenieure hat erheblich zugenommen: „Die Vision von Dassault Systèmes, die bereits vor 15 Jahren formuliert wurde, gilt es jetzt umzusetzen: Der Übergang vom Produktentwurf zur Ausgestaltung vollständiger Erlebnisse und auch Systeme“, sagte Olivier Sappin. Seine Rede gab einen Überblick über die wesentlichen Themen rund um das „neue CATIA“, die die Anwesenden an den kommenden zwei Veranstaltungstagen erwarten würden.
Bereits im letzten Jahr bei den Vorbereitungen zum Pilotevent des neuen Formats wurde offensichtlich, dass man zurückkehren müsse „zu einem starken Eventformat mit hoher Strahlkraft“, so Olivier Sappin, der ergänzte: „Wir wollten erfahrene CATIA-Anwender aus den Bereichen Design und Engineering zusammenbringen. Uns ging es darum, dass die besten von den besten lernen.“ In dieses Bild passt auch der Veranstaltungsort mehr als trefflich, schließlich pflegt Dassault Systèmes mit der TUM eine enge Partnerschaft. „Wenn wir wollen, dass CATIA zu den Ingenieuren spricht, kann es dabei nicht nur um mechanische Fragestellungen gehen, vielmehr auch um solche aus der Elektronik/Elektrik oder um Software. CATIA befindet sich auf dem kritischen Pfad, die aktuellen Probleme zu lösen.“ Im Klartext bedeutet dies: Die Konferenz kam auf all die guten Gründe für den Umstieg von CATIA V5 auf das plattformbasierte 3DEXPIERENCE CATIA zu sprechen.

Stets als Highend-Anwendung positioniert

Das Kürzel „CATIA“ steht für „Computer-aided three-dimensional interactive Application“. CATIA wurde erstmals 1977 von Dassault Aviation auf den Markt gebracht und vom Spinoff Dassault Systèmes ab 1981 weiterentwickelt beziehungsweise kommerzialisiert. ICEM Surf (ursprünglich VW Surf) wurde in den 1980er Jahren für die hochwertige 3D-Flächenmodellierung („Class A Surfaces“) entwickelt. Nach einer wechselvollen Firmengeschichte ist es seit 2007 Teil von Dassault Systèmes. In einer neuen Qualität an Integration sind nun CATIA und ICEM Surf in 3DEXPIERENCE CATIA miteinander aufs Engste verknüpft.
„Nicht nur in der Automobilindustrie, dem vielleicht wichtigsten Markt für CATIA, sondern auch in der Hightech-Industrie mit ihrer umfassenden Regulatorik oder in der Luft- und Raumfahrt mit einer sehr intensiven, länderübergreifenden Zusammenarbeit werden die Forderungen nach kürzeren Produktentstehungszeiten immer lauter. Doch selbst der eher konservative Baumaschinenmarkt will von der Automobilindustrie, ihrer Beherrschung der Variantenvielfalt und Innovationskraft lernen. Sie alle haben sich für CATIA entschieden“, sagte Olivier Sappin.
Dann kam der Top-Manager auf das sogenannte Gen 7 zu sprechen, das bereits im Vorfeld der 3DEXPERIENCE World in Houston, Texas, im vergangenen Februar lanciert wurde. „Gen 7 bedeutet nicht CATIA V7. Vielmehr ist es die erste Solution Foundation, mit der sich jegliche Art von virtuellen Zwillingen erzeugen lassen.“ Gen 7 bezieht sich auf das „3D UNIV+RSES“ von Dassault Systèmes und die massive Nutzung von KI. Wenn man so will, auf die siebte Generation von Konstruktionssoftware, die im Laufe der über 40-jährigen Unternehmensgeschichte von Dassault Systèmes entwickelt wurde. Die neue Systemarchitektur integriert mehrere generative KI-Technologien in das globale Intellectual Property Lifecycle Management (IPLM), das von der 3DEXPERIENCE-Plattform unterstützt wird. Die Architektur ermöglicht es Kunden, ihre umfangreichen 3D-Design Assets, virtuellen Zwillinge und PLM-Daten in einer einheitlichen digitalen Umgebung voll auszunutzen. „Dies erleichtert die Erstellung generativer Erfahrungen, virtueller Begleiter und intelligenter Virtual Twin Experience as a Service (VTaaS) und gewährleistet gleichzeitig den Schutz des geistigen Eigentums der Kunden“, heißt es hierzu in einer Unternehmensmitteilung.
Im Kern geht es dabei um die umfassende Modellierung von virtuellen Zwillingen. Hierzu gehört, die Verbindung mit Daten aus der realen Welt aufzubauen. Die Grundlage dafür schaffen mehr als tausend Experten in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Dassault Systèmes, die den Funktionsumfang der 3DEXPERIENCE-Plattform stetig erweitern. „3D alleine reicht heute nicht mehr aus. Wenn man heute die Komplexität beherrschen will, muss man in Systemen denken und modellieren – Anforderungen, Verhalten, Produktarchitekturen, Systems of Systems – diese verschiedenen Blickwinkel werden wir in Präsentationen basierend auf unserem Ansatz einer starken Foundation diskutiert“, betonte der CEO CATIA.

Gute Gründe für 3DEXPERIENCE CATIA

 

Ein neues Universum tut sich auf

Die Power von 3DEXPERIENCE CATIA sei, so der Sprecher weiter, ständig verbunden zu sein mit den 3D UNIV+RSES und damit mit MODSIM (Modellierung und Simulation); Data Science (Evidenzen aus der realen Welt; Big Data und Generative AI) und Collaboration (Produkt- beziehungsweise Projektmanagement; Konfigurations- und Change-Management).
Mit 3D UNIV+RSES lassen sich Experiences modellieren, zum Beispiel die in der Automobilindustrie so wichtige „Welcome Sequence“, bei der ein Fahrzeug den Hut vor seinem Besitzer zieht: Dabei geht es nicht nur eine 3D-Materialität, um ein ansprechend illuminiertes Cockpit, sondern auch die Mensch-Maschine-Schnittstelle insgesamt und um eine allgemeiner gefasste Driver Experience, wie also der Fahrer mit dem Auto insgesamt interagiert. Doch neben all den Möglichkeiten von Design-Erkunden darf das Front-Loading nicht aus den Augen verloren werden: Auch beim Durchspielen derartige Szenarien muss die Time-to-Market möglichst kurz gehalten werden.

Ein ständiger Begleiter: Zum Helfen, Lehren und Arbeiten – für den Anwender

Ab dem diesjährigen Release 2025x kommt jede CATIA-Anwendung mit einem ChatBot namens „AURA“ daher. Treten Fragen auf, werden diese unmittelbar durch den Zugriff auf Schulungsmaterial im entsprechenden Kontext beantwortet. Ziel ist es, im Konstruktionsprozess nicht-wertschöpfende Tätigkeiten zu eliminieren, wobei das Wissen natürlich im Unternehmen bleibt. Olivier Sappin zeigte die Arbeitsweise am Beispiel der Modellierung von Verschlüssen (Fastener). „Die KI greift auf Schlüsseltechnologien der Modellierung zu, um zu garantieren, dass die beste Lösung bei einer Aufgabenstellung zur Anwendung kommt. Wir erinnern uns: Mit CATIA V5 wurde die parametrische Modellierung eingeführt. Es war die Zeit, als es darum ging, Wissensmanagement (Knowledge-based Engineering, KBE) im Zusammenhang mit der parametrisch-assoziativen Modellierung zu nutzen. Dassault Systèmes sorgte dafür, dass KBE robust in CATIA abgebildet wurde. Denn somit ist sichergestellt, dass bei der nun verwendeten KI verstärkt automatisch ablaufenden Algorithmen genutzt werden können“, erklärte der CEO CATIA.
Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang fällt, lautet „Algorithmic Design by Visual Scripting“. Hierzu wurden bei Dassault Systeme die Abteilungen von Modellierung und Simulation an einen Tisch gebracht und der Ansatz MODSIM Generative Design (zu der es am Nachmittag des ersten Veranstaltungstages eine Livedemo gab) geschaffen. Olivier Sappin ging am Beispiel einer Federung einer Fahrzeugvorderachse auf die Wirkungsweise des Ansatzes ein: „Die KI kann lernen, welche Bauteile aus welchen Gründen zusammengefügt sind. Und sie kann die Oberflächen der Bauteile erkennen, die zusammengefügt werden. Das Ergebnis ist ein automatisiert ablaufender Zusammenbau der einzelnen Komponenten. Gleichzeitig lassen sich Simulationen zur Funktionsabsicherung durchführen, etwa in Hinsicht auf Kinematik, und es können automatisiert Toleranzen an Achskonstruktion hinzugefügt werden.“ Damit wurde einmal mehr deutlich, dass der Abstand zwischen CATIA V5 und 3DEXPERIENCE CATIA immer größer wird – denn so etwas geht mit CATIA V5 nicht.

Auf den Punkt gebracht arbeitet Dassault Systèmes bei der Weiterentwicklung von 3DEXPERIENCE CATIA an insgesamt fünf Schwerpunkten:

  • Zugriff weiterer CATIA-Funktionen über die Cloud
  • Human Centric Design für die Class-A-Flächenmodellierung
  • Systemmodellierung gemäß Software-defined Vehicle
  • AI-Driven Generic Design
  • Data-driven Engineering.

Olivier Sappin betonte, dass Industrial Styling nach wie vor eine sehr hohe Priorität bei Dassault Systèmes genieße. Denn gerade in den frühen Kreationsphasen der Innovation müssten die Prozesse verschlankt werden. „Unsere Pflicht ist es, unsere Legacy Products wie ICEM Surf auch weiterhin zu unterstützen, etwa durch die intelligente Verknüpfung mit den parametrisch-assoziativen Modellierung von 3DEXPERIENCE CATIA“, sagte der Manager mit Nachdruck.

CATIA und seine „Magie“

Beim Software-defined Vehicle, im Fachjargon kurz als „SDV“ bezeichnet, geht es um die holistische Systemmodellierung. Und es geht um Model-based Systems Engineering mit CATIA Magic als „Foundation von der Mission zur Kreation“, wie es Olivier Sappin ausdrückte. 2018 schloss Dassault Systèmes die Übernahme von No Magic ab. No Magic wurde 1995 gegründet und arbeitete über Jahrzehnte hinweg eng mit der Object Management Group zusammen. Mit der Übernahme werden die sogenannten Industry Solution Experiences von Dassault Systèmes auf Basis der 3DEXPERIENCE-Plattform nachhaltig unterstützt.
Über das „Early Experience Program für CATIA SysML v2“ erhalten die Teilnehmer frühzeitigen Zugriff auf die Implementierung des OMG-Standards SysML v2 in den Produktlinien CATIA Magic und No Magic, auch als „Cameo“ bekannt, sowie SysML v1. Dassault Systèmes garantiert unter anderem eine 100-Prozent-Konformität mit dem Spezifikationsmetamodell von OMG für SysML v2 und die SysML-v2-REST-API-Integration zur Verbesserung der Interoperabilität.
Olivier Sappin betonte, dass in Hinsicht auf die Systemmodellierung die No-Magic-Technologie das Beste sei, was am Markt verfügbar ist. Die System- und die 3D-Modellierung werden in einer Entwicklungsumgebung stattfinden. Und hier werde der Einfluss von KI zu einer nachweisbar höheren Innovationsproduktivität führen. So wird es über 3DEXPERIENCE CATIA möglich sein, selbst die umfangreichsten Vorgaben aus Dokumenten automatisch in Anforderungen umzuformulieren, um sie effektiv in die Systemmodellierung einbeziehen zu können. Auch wird es demnächst möglich sein, die Auswirkungen der einzelnen Anforderungen auf Systemeigenschaften zu simulieren.

Fazit

Die Veranstaltung präsentierte lebendige Einblicke in die Synergien zwischen Designern und Ingenieuren – zwei Disziplinen, die durch 3DEXPERIENCE CATIA noch fester an einem Strang ziehen können. Neben Olivier Sappin, Sabine Scheunert, Geschäftsführerin von DS EUROCENTRAL („Paradigmenwechsel vom Design zur generativen Erfahrung“), einer Livedemo mit der 3D-Brille Apple Vision Pro zu immersiven Design- und Engineering-Workflows kamen viele Anwender zu Wort: Inseong Yoo von Hyundai Mobis präsentierte Innovationen im Lampendesign;
CLAAS präsentierte einen bemerkenswerten Ansatz für multidisziplinäres Engineering, der Mechanik, Elektrik und Fluidtechnik vereint; Volkswagen präsentierte seine PLM-Vision mit der 3DEXPERIENCE-Plattform; ein Student der Norwegische Universität für Wissenschaft und Technologie begeisterte das Publikum mit seinem „Rocketry Design-Projekt“ – vollständig auf der 3DEXPERIENCE-Plattform entwickelt.
Inhaltsreich war auch der zweite Veranstaltungstag mit Vorträgen von BMW, EDAG, Volkswagen, Stellantis, Gauss Fusion, PESA und EC Engineering über Best Practices im Umgang mit Lösungen von Dassault Systèmes in sieben Breakout Tracks.

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