IAA: Munich, we’ve got a Problem

Aufmacherbild: Renault 5 Turbo E Concept Car, gesehen auf der IAA Munich (Bild: Valnion)

Die Tore der internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) wurden in München gerade geschlossen und einmal mehr hat der Besuch dort gezeigt: Wir haben ein Problem. Insbesondere chinesische Fahrzeughersteller schaffen das, was sich die OEMs hierzulande noch erarbeiten müssen: die Produktentstehungszeiten mindestens zu halbieren. Die Modellvielfalt der asiatischen Anbieter übertrifft deutlich, was hierzulande an Neuerscheinungen geboten wird. Und dies gilt nicht nur für elektrifizierte Fahrzeuge. Immerhin: Es hat eine atemberaubende Aufholjagd begonnen, in deren Zentrum Simulation und künstliche Intelligenz stehen. 

In Europa belaufen sich die mittleren Entwicklungszeiten in der Automobilindustrie – von der Konzepterstellung bis zum Start of Production (SOP) – auf stattliche 52 Monate. Das sind mehr als 4 Jahre. Daher sind in den einschlägigen Managementetagen alle Blicke auf China gerichtet. Denn die „jungen Wilden“ aus dem Reich der Mitte, wie etwa Nio, schaffen eine Fahrzeugneuentwicklung innerhalb von 120 Wochen oder weniger. Ein Grund für diesen enormen Erfolg ist darin zu finden, dass diese Hersteller auf Basis von Daten, die durch Simulationsergebnisse generiert werden, entscheiden, um schnell handeln zu können. Dabei sind die Zutaten für die Gewinnung von mehr „Speed“ im Produktentstehungsprozess (PEP) längst bekannt sind. So kann der traditionelle PEP mit seinen reichlich verwendeten physischen Prototypen durch die Einführung von Digital Engineering und der damit verbundenen konsequenten Nutzung von Simulation bereits heute um gut 25 Prozent verkürzt werden. Ansys, nun Teil von Synopsis, als weltweit agierender CAE-Systemanbieter hat genügend Erfahrung gesammelt, wenn es darum geht, was hier machbar ist. Auch die Verkürzung auf 24 Monate und weniger ist keine Utopie, wenn man sich dem sogenannten Intelligent Engineering verschreibe, das der thematische Kern einer Kundenveranstaltung von Ansys im Juni war.

Bemerkenswert war unter anderem Vortrag von René Kallmeyer „Generative KI mit Ansys – Stand der Technik und Ausblick“. Mit diesem Vortrag setzte der KI-Experte das KI-Portfolio von Ansys in den Kontext der Produktentstehung – zum Beispiel als Antwort auf den Fachkräftemangel, wenn es um die Klärung multiphysikalischer Fragestellungen geht oder der Übergang vom Low-Fidelity- zum High-Fidelity-Solver ansteht.
Die entsprechenden Stärken von Ansys lassen sich in einem Stufenmodell beschreiben: Über seinen erfolgreichen Vertrieb hat der CAE-Systemanbieter viel Erfahrung im Bereich Single-/Multi-Physik-Simulation gesammelt. Hinzu kommen dedizierte Tools für die Erzeugung von KI-Modellen, zum Beispiel über Ansys SimAI. Aufseiten der Anwendung zeichnet Ansys aus, dass Tools für die effiziente Bereitstellung von webbasierten Apps und deren Pflege angeboten werden („Democratization of Simulation” als Antwort auf den Mangel an Simulationsingenieuren).
Konkret gesprochen umfasst das Ansys-KI-Portfolio zum einen eine Reihe von KI-Add-ons (über Ansys optiSLang AI+) und die multiphysikalische Machine-Learning-Plattform Ansys SimAI zur Ableitung von Vorhersagemodellen. Mit Ansys SimAI gelingt es, die Analyse um das Zehn- bis Hundertfache zu beschleunigen. Hinzu kommen das auf Engineering fokussierte Large Language Model Ansys GPT zur Dokumentation von Berechnungsläufen und zur Schulung (es kann über Ansys Innovator Space genutzt werden) sowie neuerdings der Ansys Engineering Copilot.
Rene Kallmeyer machte darauf aufmerksam, dass man es im Hinblick auf KI nicht nur bei der Erprobung einzelner Use Case belassen, sondern auch eine übergeordnete Strategie formulieren sollte. Man könnte ihn als „KI-Polarstern“ bezeichnen. Er gibt vor, wo das Unternehmen in zwei oder drei Jahren stehen will. Auch sollte man sich Gedanken darüber machen, wie die CAE-basierte KI von anderen Kollegen konsumiert werden soll. Es muss ja nicht über Apps geschehen; auch Visualisierungsplattformen wie Nvidia Omniverse mit ihren Möglichkeiten zum physikbasierten Echtzeit-Rendering mit Nvidia RTX sind denkbar.

Mehr dazu und insbesondere zu beeindruckenden Use Cases in der Cover Story der neuen Ausgabe 3/2025 von d1g1tal AGENDA Magazin.

 

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