Interview: Sinn und kein Sinn von SDM

Aufmacherbild: Schematische Darstellung eines digitalen Replica eines Porsche Taycan (Bild: Porsche / d1g1tal AGENDA)

Ein Simulationsdatenmanagementsystem (SDM-System) will nutzenstiftend implementiert sein. Schnell steht man dabei vor einer komplexen Aufgabe. Marcus Krastel, Vorstand der :em engineering methods AG aus Darmstadt, weiß, wie man es zielführend einführt.

Dr. Krastel, obwohl SDM seinen Ursprung zu Beginn der 2000er-Jahre in der Automobilindustrie hatte, hat es inzwischen andere Industriezweige erreicht. Welche Vorbereitungen sollten vor der Einführung eines SDM-Systems getroffen werden?
Eine Herausforderung besteht darin, dass wir in der Simulation vor einer sehr großen Vielfalt von Aufgaben stehen, weshalb sehr viele Tools im Einsatz sind. Im ersten Schritt ist es daher notwendig, die internen Unternehmensabläufe im Detail zu verstehen: Welche Daten sind für den Prozess notwendig? Und wie sollten diese sinnvollerweise verwaltet werden? Erst dann macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, welches SDM-Tool man nutzen sollte.
Es ist ja gerade die Aufgabe für uns als neutraler Berater, uns intensiv mit den Anforderungen des Kunden auseinanderzusetzen beziehungsweise diese erst einmal zu formulieren. Nehmen wir die EMV-Simulation als Beispiel: Bei der einen Firma läuft dies mit einem CAE-Arbeitsplatz unter „ferner liefen“, bei anderen indes ist es das Kernthema. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Implementierung der SDM-Lösung.

Lässt sich das auch so verstehen, dass die eigentlichen Bedürfnisse des Betriebs nicht unbedingt mit seiner CAE-Infrastruktur im Einklang stehen?
Durchaus! Ich vertrete daher auch immer die These, dass das SDM-System dort am tiefsten implementiert werden soll, wo es den größten Nutzen stiften wird. Dieses Hinterfragen hat sich bewährt. Denn in jedem Unternehmen gibt es eine kleine Gruppe von Simulationsingenieuren, die Spezialtools verwenden. Es stellt sich die Frage, ob deren Arbeiten wirklich tief in ein SDM-System integriert werden sollen und welchen Nutzen dies für das Unternehmen bietet. Viel wichtiger ist es, sich auf die Hauptaufgaben der Berechnungsabteilung zu konzentrieren.

Interessant. Es gibt also stets autonome Wissensinseln in den Unternehmen…
Wir haben gelernt, dass der Schnittstellenthematik sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt werden muss – ein SDM-System out of the box wird es niemals geben! Außerdem: Die Lizenzkosten sind das eine, die Kosten für die Schnittstellen das andere. Die Prozessintegration verursacht die höchsten Kosten bei der Implementierung. Eine SDM-Integration ist ja deutlich komplexer als die einer PDM-Installation, bei der typischerweise kaum mehr als zwei CAD-Systeme angebunden werden.

Welche SDM-Integrationsstufen kann man sich vorstellen?
Wir haben hierzu ein Reifegradmodell entwickelt. Die höchste Stufe ist eine Integration, bei der quasi auf Knopfdruck über das SDM-System Simulationsdaten beziehungsweise -modelle geladen und die Ergebnisse gespeichert werden können. Die unterste Stufe umfasst lediglich den Aufruf von Inputdaten einschließlich richtiger Versionierung und einiger zusätzlicher Metadaten für den Berechnungslauf. Selbst bei Letzterem besteht bereits eine nutzenstiftende Prozessunterstützung. Dazwischen gibt es diverse weitere Ausprägungen. Ganz klar, an jeder dieser Stufen hängt ein Preisschild, wobei die niedrigste Integrationsstufe bereits durch die Lizenzkosten abgedeckt ist. Gerne versuchen die Anbieter, die Maximalintegration zu verkaufen, was allerdings zu den höchsten Kosten führt.

Mehr zum Nutzen eines SDM-Systems lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von d1g1tal AGENDA Magazin 4/2025.

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