Jede Menge CEOs und ein US-amerikanischer Traum

SAN DIEGO/CA, Mitte Februar (bv). Nach drei Tagen ging die 14. weltweite Anwenderkonferenz, SoldiWorks World 2012, der DS SolidWorks Corp. mit Sitz in Concord im US-amerikanischen Bundesstaat Massachusetts mit einem neuen Rekord zu Ende. Der Veranstalter, die 100-Prozent-Tochter von Dassault Systèmes, zählte 5 650 Besucher, die sich im Kongresszentrum der Millionenstadt im Südwesten am pazifischen Ozean über ein breites Themenspektrum rund um „Connected by Design“ informierten. Wie in den vergangenen Jahren wurde dem „American Way of Engineering“ das Wort geredet, will heißen, die Leistung einzelner Self-made-Ingenieure wurde an den drei Veranstaltungstagen gewürdigt. So etwa Bertrand Sicot (unser Bild), CEO von SolidWorks, der am ersten Tag im Rahmen seines Auftritts mit Entertainer Mike Rowe über sogenannte Dirty Jobs sprach. Rowe ist ein US-amerikanischer Fernsehmoderator und Gastgeber der auf Discovery Channel laufenden Serie „Dirty Jobs“. Es geht dabei um Arbeit, die keiner machen will. Es wurde in dem Gespräch die Lücke angeschnitten, die sich in den Staaten aufgetan hat, weil es einerseits immer weniger Fachkräfte wie Elektriker oder Schweißer gibt, andererseits aber immer mehr Arbeitslose.

Sicot gab im Anschluss daran einige Zahlen zum besten: Das kostenlose 2D-Zeichenwerkzeug Draftsight, das im Jahr 2010 auf den Markt gebrachte wurde, wurde bereits zwei Millionen Mal heruntergeladen. Der Systemanbieter zählt inzwischen 1,7 Millionen SolidWorks-Anwender und die Erlössteigerungen werden auf 20 Prozent beziffert. Insgesamt macht der Anteil von SolidWorks-Produkten 20 Prozent am Gesamtumsatz von Dassault Systèmes aus. Der Anteil am Gewinn freilich dürfte noch deutlich höher liegen, so schlank ist die Organisation strukturiert.

Der anschließende Auftritt von Bernard Charlès, CEO und President der Konzernmutter, indes wurde, wie im vergangenen Jahr auch, mit gemischten Gefühlen empfangen. Natürlich genoss der Firmenchef das Bad in der Menge und wusste geistreich zu moderieren, etwa über das Neptune Project aus dem Bereich der Unterwasserforschung. Dabei werden Forschungsgeräte per Internet-Anbindung von verschiedenen Orten der Welt aus ferngesteuert. Das Design der Unterwasserroboter erfolgte übrigens mit SolidWorks. Bemerkungen allerdings wie „Schön, dass Du überlebt hast“ zu Sicot, der ja erst seit knapp einem Jahr CEO ist, kamen nicht so gut an. Charlès repräsentierte in gewisser Hinsicht das alte Dassault Systèmes, das aufgrund seines aktuellen 10-Jahresplans der Vergangenheit angehören sollte. Hierzu mehr in der aktuellen Ausgabe von ECONOMIC ENGINEERING 2/2012. Zwei Franzosen auf der Bühne waren für die US-amerikanische Design Community wohl vielleicht ein wenig zu viel des Guten.

Doch am zweiten Veranstaltungstag war die Welt wieder in Ordnung. Ben Kaufman von Quirky gab dem Auditorium eine Vorlesung in kollaborativer Produktentwicklung. Erfinden sei menschlich, betonte der CEO. Es sei etwas, was nicht unterdrückt werden könne. „Aber wo sind all die Erfinder?“ Quirky hat sich mit seinem Geschäftsmodell zur Aufgabe gemacht, Produktideen durch Kollaborationstechniken und anderen modernen Methoden der Produktentwicklung zur Marktreife zu verhelfen. Jede Woche werden zwei Erfinder und ihre Ideen auserkoren, und binnen 7-Tagesfrist bringt Quirky zwei neue Endkunden-Produkte auf den Markt. Kaufman warnte das Publikum: „Die wichtigen Design-Entscheidungen kommen in Zukunft nicht mehr vom Vorstand, vielmehr werden sie vom Käufer im Wohnzimmer gefällt.“ Er gab die Formel zum Besten: „Community + Collaboration + Expert Team = New Product Development“.

Mit Spannung wurde der dritte Konferenztag erwartet. Denn an diesem wird traditionsgemäß die kommende Version des beliebten 3D-CAD/CAM/CAE-Tools vorgestellt. Hierzu wurde das Thema „Zurück in die Zukunft“ durchaus treffend bemüht. Mittels Zeitmaschine, ein umgebauter Toyota Prius, ging es zurück ins Jahr 1993, in dem der damals junge Jon Hirschtik, der tatsächlich in einem eigens produzierten Film – freilich in seinem aktuellen Alter – auftrat, an seinen Entwürfen für die 3D-Datenverarbeitung unter Window 3.1 arbeitet und dafür von seinem damaligen Chef drangsaliert wird. Der gezeigte Film war wirklich gut gemacht, weil anhand des Umbaus des Prius‘ neue Features von SolidWorks 2013 gezeigt wurden. Die Schauspieler traten mehrfach auf der Bühne auf, um die Verbesserungen der Version, die für den kommenden Herbst erwartet wird, zu kommentieren. Den Handlungsrahmen lieferte die bekannte Vorlage. Sicherlich eines der besonderen Highlights von SolidWorks 2013 ist der verbesserte Multi-Core-CPU Support.

Bertrand Sicot schloss die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass SolidWorks World 2013 im Walt Disney Park in Orlando in den Dolphin und Sword Hotels stattfinden wird. Dort fand zum ersten Mal im Jahr 1999 eine weltweite Anwenderkonferenz des Systemanbieters statt. Und noch etwas zur Vergangenheit: Der Unternehmensgründer von Jon Hirschtik hatte im vergangenen Jahr SolidWorks verlassen, also auch dies ist Geschichte. SolidWorks‘ Schicksal liegt nun ganz in den Händen der Pariser Zentrale. Mehr hierzu in der kommenden Ausgabe ECONOMIC ENGINEERING 3/2012.

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