Anzahl von CAD-Modellen pro Tag zu zählen, lohnt nicht

In den letzten Jahren standen die Bemühungen im Vordergrund, die Nutzenaspekte von PLM-Lösungen vor deren Einführung vorherzusagen. Heute indes geht es um vermehrt um die Bewertung der PLM-Lösungen nach deren Einführung mittels Kennzahlen. Schwierig freilich ist, wie diese Indikatoren, die unter anderem in der Produktion häufig angewandt werden, auf das Umfeld der Produktentwicklung übertragen werden können. In der Produktion hat beispielsweise der Indikator Personalproduktivität (Verhältnis produktive Arbeitszeit zur Anwesenheitszeit) durchaus seine Berechtigung, dagegen macht es in der Produktentwicklung keinen Sinn, die produktive Arbeitszeit anhand der Anzahl der erstellten Zeichnungen oder 3D-CAD-Modellen pro Tag auf diese Weise zu betrachten. Daher haben die Projektpartner der Initiative PIPE („Process Indicators for Product Engineering“) Indikatoren für die Prozesse Anforderungs-, Änderungs-, Konfigurations- und Projektmanagement sowie Collaboration Management entwickelt. Nach Abschluss dieser Initiative stehen heute Prozessindikatoren zur Verfügung, die alle relevanten PLM-Disziplinen betrachten und bereits bei Kunden eingesetzt werden. Die Initiative von Contact Software, Dassault Systèmes, IBM Software Group, IBM Global Business Services und Transcat PLM Deutschland, unterstützt vom VDMA als ideelle Trägerschaft und vom Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, PLM-Lösungen mit Hilfe von standardisierten Prozessindikatoren für das Product Engineering zu bewerten.
Um Unternehmen die Identifikation von Optimierungspotenzialen im Produktentstehungsprozess mittels standardisierter Prozessindikatoren zu erleichtern, liegt der Fokus dieser Initiative auf dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP), der durch Reorganisation, verbesserten Methoden und Tools in der Produktentwicklung zu erreichen ist. Die Beschreibung der Prozessindikatoren erfolgte in Anlehnung an das VDMA-Einheitsblatt 66412-1 MES-Kennzahlen. Die Daten für einen Prozessindikator können für die Ist-Aufnahme entweder manuell zusammengetragen oder aus vorhandenen IT-Systemen (wie PDM-Systemen) in einer vorher zu bestimmenden Zeitperiode ausgelesen werden. Die Prozessindikatoren sind so aufgebaut, dass beide Fälle berücksichtigt werden. Einige Prozessindikatoren umfassen Formelzusammenhänge von Variablen, andere umfassen aufsummierte Anzahlwerte anhand von Merkmalen oder Merkmal-Clustern (wie Änderungsgrund, Produkt, Unternehmenszuständigkeit). Durch Summierung beispielsweise der Änderungsanfragen kann bei der Auswertung eine Häufung über die Produktlebenszyklusphasen erkannt werden, die auf Schwachstellen in Produkten, Prozessen oder Unternehmensbereichen hinweisen. Dies erfolgt mit der Pivot-Methode anhand von Tabellen, da Daten einer Tabelle in verschiedenen Arten in verdichteter, zusammengefasster Form dargestellt und ausgewertet werden können.

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