Messethriller in Frankfurt

FRANKFURT/MAIN / BADEN-BADEN, Anfang Dezember (bv). Krimis werden bekanntermaßen erst am Abend gesendet. Doch am vergangenen Freitag, den 28. November, ging ein Thriller bereits um die Vormittagszeit auf Sendung. Die Geschäftsführung der Demat GmbH mit Sitz in der Mainmetropole, Eberhard Döring und Diana Schnabel, ließen die Anwesenden der Abschlusspressekonferenz den Atem stocken, ganz so, wie man es von einem guten „Tatort“ gewohnt ist. Man verkündete, dass die kommende Messe für Werkzeug- und Formenbau, Design und Produktentwicklung, Euromold 2015, nicht mehr auf dem Frankfurter Messegelände, sondern im fernen Düsseldorf vom 22. bis 25. September 2015 stattfinden soll. Zitat: „Ausschlaggebend für den Standortwechsel ist die Neuausrichtung und flexiblere Gestaltung der Euromold an einem der modernsten und wichtigsten Messeplätze Deutschlands.“ Was aber war wirklich geschehen? Wie kann man sich diese Nacht-und-Nebel-Aktion (zumindest aus Sicht von Außenstehenden einschließlich Messebeirat) erklären?
Bereits seit einigen Monaten kam es zu einem Ringen des Standortbetreibers Messe Frankfurt und der Demat. Man war offensichtlich mit der Performance der Demat nicht zufrieden gewesen, denn seit einigen Jahren befand sich die Produkte-orientierte Messe im Sinkflug. In der Hochzeit vor sieben Jahren konnten immerhin 1700 Aussteller vereint werden, dieses Jahr waren es keine 900. Renommierte Firmen wie der Werkzeug- und Formenbauer Siebenwurst oder der Werkzeugmaschinenhersteller Hermle zogen sich zurück, die Sonderausstellung „Design“ verlor ihre Bühne, auch die CAx-Systemanbieter wie Camtek ließen die Flagge einholen. Immer dominanter wurden die Anbieter von 3D-Drucklösungen und asiatische Anbieter. In einer nicht gerade mit Licht und Sonne durchfluteten Halle 9 wirkte die geballte Präsenz der asiatischen Hersteller („asiamold“) in diesem Jahr schon recht irritierend. Über Jahre hinweg hatte die Demat versäumt, gegenzusteuern und Verluste auszugleichen. Sicherlich hätte schon viel geholfen, dem sehr engagierten Messebeirat mehr Gehör zu schenken. Allerdings war Döring eigentlich nie für eine transparente Kommunikation bekannt. Und für Kontinuität bei der Personalführung schon zweimal nicht. Die Ansprechpartner kamen und gingen, zum Beispiel für die so wichtige Funktion des Pressesprechers. Die Messe Frankfurt sah sich offensichtlich gezwungen, den Vertrag mit der Demat zu kündigen, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

Großes geleistet

Für die inhaltliche Ausgestaltung der Euromold der vergangenen 21 Jahre zeichnet Eberhard Döring verantwortlich. Der promovierte Ingenieur verstand es wie kein Zweiter, die Notwendigkeit, neue Materialien, Design und Styling, Werkzeug- und Formenbau, spanende Bearbeitungstechnologien und Additive Fertigungsverfahren an einem Ort mit- und gegeneinander antreten zu lassen. Auch die Idee, durch Verbandsvertreter aus dem Ausland internationales Flair in die Messehallen zu bringen, gelang über viele Jahre hinweg erfolgreich. Schließlich ist die Messe Frankfurt als internationaler Messestandort bekannt. Und ist die Ausgestaltung der Halle 11 in diesem Jahr ist wieder einmal beeindruckend gelungen: Alle Hersteller von 3D-Druckern von Rang und Namen waren vertreten, der Eingangsbereich der neu gebauten Halle eine Augenweide.
Welche Alternativen bieten sich nun den Werkzeug- und Formenbauer? Euromold in Düsseldorf? Schwierig, denn der Termin ist eine Woche vor der Fakuma in Friedrichshafen. Die neue Messe Formnext der Messe Frankfurt? Der Ausrichter, die Messe-Frankfurt-Tochter Mesago, hat zwar ihre Meriten mit der SPS/IPC/Drives verdient, doch ist dies ein Engineering-Event und keine Messe für Produktentwicklung. Die Moulding Expo auf dem Stuttgarter Messegelände im kommenden Mai? Wird wohl eher eine regionale Veranstaltung werden, obwohl immerhin mehr als 300 Aussteller unterschrieben haben. Mit anderen Worten: Die Entscheidung fällt bei der Vielzahl an Optionen nicht leicht, wie Hintergrundgespräche in der Sache bestätigen.Soviel steht zumindest fest: Die Aussteller und Demat & Co. haben noch Zeit, sich dies genau zu überlegen, wie die zukünftige Messelandschaft ausgestaltet sein wird. Döring ist gut beraten, hier ein überzeugendes Konzept vorzulegen, schließlich geht es auch in gewisser Hinsicht um sein Lebenswerk. Lassen wir einmal die Euromold 2014 außer acht, so ist eines bereits jetzt schon gewiss: Eberhard Döring hat sich um den Werkzeug- und Formenbau verdient gemacht.

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