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Autodesk: mieten statt kaufen

Industry Manager Manufacturing Karl Osti zieht über die vergangene Autodesk University Bilanz und was die Umstellung bei Autodesk von Kauf- auf Mitlizenzen für die Kunden bedeutet.

Herr Osti, wie war Ihr Eindruck von der vergangenen Autodesk University, die in Darmstadt stattfand?
Die Resonanz auf das Anwendertreffen war insgesamt sehr positiv, immerhin wir konnten mehr als 1 200 Teilnehmer begrüßen. Es wurde von internen und externen Sprechern ein bunter Strauß an Themen präsentiert. Innerhalb der ersten 48 Stunden haben wir nach der Veranstaltung 1 600 Downloads der einzelnen Vorträge, darunter auch diejenigen der vielen Break-out Sessions mit ihren Tipps und Tricks zu Autodesk-Anwendungen, gezählt. Aufgrund des bemerkenswerten Erfolgs wollen wir die Autodesk University auch im kommenden Jahr im Darmstadium veranstalten.

In welche Richtung ging das Informationsinteresse Ihrer Kunden?
Das unterscheidet sich nach den einzelnen Branchen. Zum Beispiel wurde aus dem Maschinenbau nachgefragt, was es Neues an Softwarelösungen gibt. Nach wie vor ist Datenmanagement dabei ein wichtiges Thema. Auf großes Interesse stoßen zudem Simulationsanwendungen und unsere CAM-Lösungen. Im Anlagenbau sorgt der Umgang mit Punktewolken für hohe Aufmerksamkeit, beispielsweise in der Projektierung.
Auch unsere Anwendungen zu Generativem Design kommen gut an. Hierbei geht es um die 3D-Druck-gerechte Produktentwicklung, also um Möglichkeiten, den 3D-Druck zur Gänze auszuschöpfen.
Ähnliches gibt es vom Bauwesen zu berichten. Besonders gut kamen unsere Visualisierungslösungen und parametrisches Gebäudedesign mit Dynamo Studio an, das die Modellierung von organische Formen, einem Trend in der Architektur, ermöglicht.

Mich hatten die Beispielanwendungen auf der Autodesk University, ausgestellt im Foyer, sehr beeindruckt. Was steckt dahinter? Und lässt man sich davon im deutschsprachigen Markt inspirieren?
In dieser „Gallery“ waren Exponate zum Thema 3D-Druck unserer Kunden ausgestellt. Sie entstammen einen Thinktank unseres Standorts in San Francisco. Teilweise waren auch ziemlich extravagante Konzepte dabei, etwa ein 3D-gedrucktes Damenkleid. Damit soll demonstriert werden, was heutzutage bereits möglich ist. Das kam insofern gut an, weil sich die Konzepte anfassen ließen. Im Großen und Ganzen freilich ging es darum, Additive Fertigungsverfahren in den eigenen Produktionsprozess zu integrieren, etwa um eine Wettbewerbsdifferenzierung zu erreichen. Ganz klar, von einer Aufbruchstimmung, einer radikalen Veränderung im Produktdesign, war nichts zu spüren, vielmehr geht es um das Herbeiführen inkrementeller Veränderungen und um Inspriation.
Was man zudem beobachten konnte, war die Bereitschaft, den nächsten Schritt in Sachen Produktentstehung zu vollziehen – weg von der reinen Dokumentation des Engineerings hin zu einem höheren Automatisierungsgrad, etwa bei CAM- oder CAE-Anwendungen. Dies bewerten wir als eine extrem positive Grundhaltung bei den Teilnehmern. Übrigens ist dies ein Feedback, das auch von unseren Vertriebspartnern geteilt wird.

Was halten Sie von der These, Autodesk habe sich zu einem umfassenden PLM-Systemanbieter mutiert?
Wir wollen natürlich unsere Kunden möglichst ganzheitlich betreuen, soweit es unsere Kompetenz erlaubt. Allerdings haben wir im Gegensatz zu den anderen Systemanbietern ein anderes Verständnis von der Unterstützung des Produktlebenszyklus’. Wir unterscheiden zwischen einem herkömmlichen Datenmanagement, so wie es auch von konventionellen PLM-Systemen bekannt ist. Dies decken wir über Autodesk Vault ab. Hinzu kommen Anwendungen wie Design to Cost oder Materialdatenmanagement, ERP-Unterstützung und Ähnliches. Uns geht es dabei um eine positive Erfahrung des Kunden mit unserem Angebot – von der Angebotsphase über die Implementierung bis hin zu Dienstleistungen. Ziel ist es, die Kundenbeziehung immer weiter zu stärken und die Differenzierungsmerkmale des Kunden in seinen Prozessen herauszuarbeiten.

In jedem Fall hat Autodesk etwas Besonderes über sein Geschäftsmodell zu berichten, das jetzt umgestellt wird. Zum Jahreswechsel wird das Subskriptionsmodell eingeführt. Was sind die Motive dafür?
Die Softwareindustrie fußte über Jahrzehnte hinweg auf einem Geschäftsmodell, das ausschließlich Kauflizenzen vorsah. Subskription wurde nur für die Software-Wartung angeboten, was die Weiterentwicklung der Software in Form der Bereitstellung neuer Releases angeboten. Inzwischen geht jedoch der Trend in Richtung Mietlizenzen, – die sogenannte Desktop Subscription –, auch unter dem Eindruck von Cloud Computing, die monatlich, quartalsweise oder auch jährlich bezogen werden können. Also weg vom Kauf mit der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeit hin zu einem „Leasing-ähnlichen Modell“ wie bei Geschäftswägen, was direkt Projektkosten zugeordnet werden kann. Wir reduzieren damit die Einstiegsbarrieren zu professionellen Engineeringlösungen.
Die Projektorganisation spielt beispielsweise im Bereich AEC eine große Rolle. Auch bei Engineering-to-Order-Projekten im Maschinenbau werden nach Auftragslage unterschiedliche Lizenzen verwendet. Unser neues Angebot bietet hier Vorteile, weil die Kunden wesentlich flexibler beim Einsatz von Software sind, beispielsweise bei der Anpassung an die entsprechende Auslastung, oder Teilverlagerung des Investionsbudgets in erweiterte Optimierung von Geschäftsprozessen.
Wir haben offiziell bekannt gegeben, den Verkauf von Neulizenzen mehrstufig bis spätestens 30. Juli 2016 einzustellen. Ab dem 1. Februar werden Einzelplatzlizenzen, wie von Inventor, Autocad oder Revit nur noch als Mietlizenzen verfügbar sein. Jedoch wurden diese in der Vergangenheit meist eh in Form Softwarepaketen wie Factory, Building oder Product Design Suite verkauft, weil die Kunden eine Abdeckung ihrer Prozessketten wünschten. Wir haben diesen Schritt auch für die Software-Suiten ab den 1. August 2016 angekündigt.

Was passiert mit den Kunden, die bereits Lizenzen käuflich erworben haben?
Diese können nach wie vor die Software-Wartung weiterlaufen lassen. Die Software-Wartung wurde ja nicht abgekündigt. Es kommt also zu einem Mischmodell, etwa dann, wenn zusätzliche Lizenzen benötigt werden.

Was bekommen Sie aus dem Markt in der Sache zurück gespielt?
Das Feedback ist im Großen und Ganzen positiv. Natürlich müssen sich unsere Kunden dazu Gedanken machen, was dies für die interne Abwicklung bedeutet. Informationsbedarf gibt es insbesondere in der Hinsicht, wie das gemischte Szenario aussieht, zum Beispiel zehn Lizenzen der Product Design Suite plus zwei zusätzlichen Quartalsmietlizenzen.

Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Bernhard D. Valnion

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