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Mobilität hat auch im Alter Vorrang

BERLIN/BADEN-BADEN, 14. Mai (bv). Der demografische Wandel ist im Gange. Die deutsche Bevölkerung schrumpft, wird älter und durch Zuwanderung vielfältiger. In naher Zukunft verliert der Arbeitsmarkt pro Jahr bis zu 1,5 Millionen Arbeitnehmer in die Pension, nur 800 000 junge Menschen kommen hinzu. Die sich daraus ergebenden Herausforderungen, aber auch Chancen, sind Thema des heutigen Demografiegipfels, der in Berlin stattfindet. Kanzlerin Angela Merkel, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Finanzminister Wolfgang Schäuble werden mit den eingerichteten Arbeitsgruppen die ersten Ergebnisse besprechen, die unter Beteiligung von Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Gruppen erarbeitet wurden. Auch am Karlsruher Institut für Technologie begleiten zahlreiche Forscher die vielen Aspekte, die mit dem demografischen Wandel einhergehen. 
Wie die Senioren von morgen – also wir – leben wollen, hat eine Studie am KIT erhoben. „Sie halten an den Gewohnheiten der mittleren Jahre fest und wollen diese auch im Alter noch möglichst lange ausüben“, gibt wenig überraschend Studienleiterin Caroline Kramer zu Protokoll. Die Befragten zwischen 50 und 60 Jahren legen viel Wert auf gute Infrastrukturangebote, die ihnen ein aktives Leben auch im zukünftigen Ruhestand ermöglichen. Hier zeigt sich, dass sie durch Bildungsexpansion, Emanzipation und Partizipation über andere Ansprüche und Potenziale verfügen als die Vorgängergeneration. Um ihr Eigenheim möglichst lange zu halten, wird an altersgerechte Umbauten gedacht. Ein „Zurück in die Stadt“ planen nur wenige Befragte. Aber einige sehen auch die finanziellen Zwänge im Alter. „Es wird mehr über alternative Wohnmodelle nachgedacht. Von Mehr-Generationen-Häusern, über betreutes Wohnen bis hin zum billigen Altersruhesitz auf den Kanaren.“
Die individuelle Mobilität gehört zu den wichtigsten Errungenschaften der Technik in den letzten 100 Jahren. So hatten 2011 knapp drei Viertel (73 Prozent) der Personen über 60 Jahre einen Führerschein und Zugang zu einem Pkw in ihrem Haushalt, 2002 waren es nur 61 Prozent. Im Gegensatz dazu ist der Trend bei den 18- bis 35-Jährigen zu beobachten: Etwa 74 Prozent haben Zugang zu einem Auto im Jahr 2002 waren es noch 83 Prozent. Damit stehen praktische alle Geschäftsmodelle der Automobilindustrie auf den Prüfstand, denn das Leitbild „Auto“ mit seinem hohen Investment von Privathaushalten erodiert.
Kann Technik helfen, länger eigenständig zu leben? Nun ja, diese Frage kann auf Basis von Technologie-Innovationen nicht umfassend beantwortet werden, auch wenn die Versuchung groß ist. So zeichnet eine Mitteilung des KITs zwar das Bild einer schöne neue Welt des Alters, das freilich kritisch hinterfragt werden muss: Durch „Sensoren etwa, die die Aktivität des Bewohners beobachten und im Notfall Hilfe rufen. Fernseher, die an die Tabletteneinnahme erinnern. Oder der Herd, der einen darauf hinweist, ihn auszustellen.“ Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pflege, Medizin, Technik und Ökonomie können Senioren wieder mehr Eigenständigkeit ermöglichen, ist dort zu lesen. Dabei spielen die Praktikabilität und Bedienerfreundlichkeit eine große Rolle. Einerseits könne man die Affinität der älteren Nutzer zu neuen Technologien nicht voraussetzen, andererseits müssen die neuen Technologien mit geringem Aufwand in bestehende Wohnumfelder integriert werden. Verschwiegen wird indes die Notwendigkeit, bezahlbare Technologien auf den Markt zu bringen, sonst wird zwar fleißig geforscht, aber die Nachfrage nach den resultierenden Produkte wird überschaubar bleiben.

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