d1g1tal AGENDA 2023/04 (print und digital)

Ausgabe 2023/04 mit Schwerpunkt Additive Fertigung

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Ein bewegtes Jahr geht zu Ende

Editorial der d1g1tal AGENDA Ausgabe 2023/04

BADEN-BADEN, Dezember (bv). Im Herbst finden zwei wichtige Messen für Fertigungs- betriebe statt. Es sind dies die Formnext, die Messe rund um additive Fertigungstechnologien auf dem Frankfurter Messegelände, und die SPS in Nürnberg. Die SPS widmet sich im Schwerpunkt der Automatisierung und Smart-Factory-Szenarien. Während die Formnext eine Branche vertritt, der es bis heute nicht gelang, ihr Nischendasein zu verlassen, geht es bei der SPS ums Big Business der Automatisierung und Digitalisierung. Mehr hierzu ab Seite 24 in der Rubrik MASCHINEN- UND ANLAGENBAU in dieser Ausgabe.

Warum aber kann trotz aller Euphorie Additive Manufacturing (AM) nicht durchgängig reüssieren? An den Innovationen kann es nicht liegen, wie einmal mehr die COVER STORY in dieser Ausgabe ab Seite 12 belegt. Zumindest ist der Ideenreichtum der 3D-Druckhersteller groß.

Laut Statista wurden im vergangenen Jahr alleine mit spanabhebenden Werkzeugmaschinen Erlöse in Höhe von rund 80 Milliarden Euro erzielt. Die Gesamtheit der Geräte und Dienstleistungen rund um Schichtbauverfahren indes erbrachten im gleichen Zeitraum 14 Milliarden Euro; dieser Betrag wird sich in den nächsten fünf Jahren vermutlich nur etwas mehr als verdoppeln.

Fakt ist, dass bei AM die Breite der Anwendungen weiter zugenommen hat, nur „sind trotz aller Investitionsbereitschaft additive Fertigungsverfahren nur in seltenen Fällen wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich. Viele große Betriebe haben in dieses Thema investiert, doch kam dann das Controlling, das vorrechnete, dass die Gewinne im erwarteten Umfang ausblieben“, erklärt dazu Professor Andreas Gebhardt, der dem Advisory Board dieser Zeitschrift angehört. Hinzu kommen Umorgani- sationen in den Managementetagen der Anwender- firmen: Da wurden zunächst AM-Aktivitäten auf viele Standort verteilt, dann zentralisiert und entsprechende Managementpositionen geschaffen. Doch diese Posten fielen dann Umorganisationsmaßnahmen dann wieder zum Opfer. So etwas spricht sich in der doch überschaubaren Branche schnell herum. Bisher fehlt die organisatorische Kontinuität, sodass sich Karrieren auf Basis von AM nicht sicher planen lassen.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum es nicht so recht vorangeht: Das Postprocessing bei AM ist nach wie vor zeitaufwendig und damit teuer. Es fehlen immer noch geeignete Automatismen. Oder wie es der anerkannte AM-Experte Andreas Gebhardt auf den Punkt bringt: „Vom strubbeligen Sinterteil zum einbaufertigen Erzeugnis ist der Weg noch lang. Es ist sehr mühsam, bis ein Bauteil glatt, hübsch und schön ist.“

Hinzu kommt, dass in den Köpfen der Ingenieure tief verwurzelt zu sein scheint, dass die industrielle Fertigung Hand in Hand mit der Serienfertigung von Gleichteilen geht. „Die Fertigung gemischter Serien mit unterschiedlichen Chargen ist nicht Thema und es wird tunlichst vermieden, darüber einen Dialog zu führen. Aber genau diese Chance birgt AM in sich!“, so der Gelehrte weiter.

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Ihr d1g1tal AGENDA Team
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