China Speed und die nächste industrielle Revolution
Editorial der d1g1tal AGENDA Ausgabe 2025/04
BADEN-BADEN: Und das jetzt auch noch: Gerade haben wir so einigermaßen die vierte industrielle Revolution verdaut, kommt schon die nächste um die Ecke. Nein, sie nennt sich nicht künstliche Intelligenz, sondern wird unter dem Begriff „Software-defined Products“ (SdP) zusammengefasst. Im Kern geht es dabei, wie im Interview in unseren Kurzmeldungen („APÉRO“) gleich auf den nächsten Seiten zu lesen ist, darum, die funktionale Ausgestaltung von Produkten getrennt in Software und Hardware zu denken. Detaillierter ausformuliert wird das in der Cover Story ab Seite 10. Das Besondere an SdP ist, dass die Produktzyklen nicht mehr „materialzentrisch“ – mit dem Fokus auf Lagerhaltung – geplant werden, sondern der Markt viel immaterieller und schneller – über Software-Updates over the Air – mit Innovationen erfreut wird. Die daraus resultierenden Konsequenzen in Form einer Sechs-Punkte-Strategie des prostep ivip Vereins reflektiert die Cover Story.
Was aber ist jetzt anders bei SdP gegenüber Industrie 4.0 oder Industrie 5.0, die bei der Produktausgestaltung verstärkt die Menschen ins Visier nimmt? Bei Industrie x.0 blieb insofern alles beim Alten, als die physischen Produkte mit ihren zunehmend digitalen Anteilen weiterhin auf Lager gelegt werden konnten. Dies ist durchaus eine Erfolgsstory, weil der Maschinen- und Anlagenbau dieses Thema exportfähig gemacht hat. Bei der softwaredefinierten industriellen Revolution ist das anders. Denn diejenigen, die jetzt von außen versuchen, die
Märkte zu besetzen, sind keine typischen Player aus der Industrie mehr. Es sind Techkonzerne, die in anderen Bereichen (viel) Geld verdient haben und nun versuchen, die Spielregeln vorzugeben. Da ist Lobbyarbeit gefragt. Mehr hierzu ab Seite 25 im Interview mit Claus
Oetter vom VDMA.
Natürlich darf in dieser Ausgabe das Thema künstliche Intelligenz nicht fehlen. Im Interview mit Daniel Roquetti Schneider von BCT Technology ab Seite 34 suchen wir nach Erklärungsansätzen dafür, dass Siemens Digital Industries jetzt eng mit Werkzeugmaschinen-
herstellern kooperiert, und fragen nach den Konsequenzen.
Viel Vergnügen bei der Lektüre!
Ihr d1g1tal AGENDA Team


















