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Projektplanung der Zukunft – heute bereits zu haben

Interview mit Holger Lörz, CEO von Actano, über die kürzlich vorgestellte Cloud-basierte Projektplanungslösung RPlan 4D, die die Projektfortschritte an den betreffenden 3D-Modellen visualisiert.

Herr Lörz, wie muss sich das industrielle Projektmanagement den neuen Rahmenbedingungen von IoT & Co. anpassen?
Die internationale Sicht auf deutsches Projektmanagement wird von den Großprojekten Elbphilharmonie, Hauptstadtflughafen Berlin oder Stuttgart 21 geprägt. Dort stolpern wir über unsere Art der Zusammenarbeit. Jedes Gewerk und jede Abteilung optimiert sich selbst, anstatt das gemeinsame Ziel in den Vordergrund zu stellen. Um dies zu verhindern, empfehlen wir einen kollaborativen Ansatz im Projektgeschäft – geprägt von Ehrlichkeit. Um die Projektziele Termin, Kosten und Qualität insgesamt zu erreichen, brauchen wir auch ein gemeinsames Budget, gemeinsame Puffer und weniger hierarchisches Denken, damit wir schneller gute Ideen verwirklichen können. Durch solche modernen Vorgehensweisen lassen sich Projekte um bis zu 30 Prozent beschleunigen.

Wie kann Software ein solches ganzheitliches Projektmanagement unterstützen?
Software kann die Projektkommunikation so fördern, dass die Schnittstellen zwischen den Bereichen über logische Algorithmen an die Oberfläche kommen. Projektleiter werden auf Konflikte aufmerksam gemacht und können mit den Beteiligten eine Lösung erarbeiten. Statt terminierte Meilensteine mit Qualitätseinbußen zu erreichen, kann Software „Quality Gates“ für den Übergang von einem in den anderen Bereich vorsehen.
Wenn eine Software dazu noch das Multi-Projekt-Management unterstützt, lassen sich negative Effekte des Multitasking-Einsatzes von Mitarbeitern vermeiden, um insgesamt die Effizienz zu erhöhen. Dazu muss eine eindeutige, klare Reihenfolge der Aufgaben die unklaren Prioritätenlisten ablösen.

Können Sie ein Beispiel geben, die die Software von Actano bietet, um dieses neuartiges Projektmanagement zu fördern?
Unsere neue Software RPlan 4D eröffnet zum Beispiel durch die Visualisierung von 3D-Modellen eine neue Dimension der Transparenz. Bei einem Projekt aus der Fabrikplanung erkennt man etwa sofort, wenn ein neues Transportsystem nicht durch das Hallentor passen würde. Auf dieser Grundlage kann man gemeinsam nach der kostengünstigsten Lösung suchen, anstatt einen Verantwortlichen das Problem alleine verantworten zu lassen.
Die Architektur unserer Software RPlan connect und RPlan 4D wurde auf die Anforderungen einer „Zusammenarbeit 4.0“ ausgerichtet. In deren Kern befinden sich alle Daten zu einem Projekt – für alle Teilnehmer jederzeit verfügbar. Der aktuelle Stand wird durch Cloud-Technologie in Echtzeit abgebildet.
Wenn ich den Zeitstrahl in die Zukunft verschiebe, erlebe ich den Projektfortschritt an einem 3D-Modell. Dabei sehen wir von der Fortschrittsberechnung der herkömmlichen Projektplanung ab. Wir kommunizieren zum Beispiel nicht, dass 70 Prozent der Aufgaben erfüllt sind, weil doch ein einziges fehlendes Prozent das ganze Projekt gefährden kann! Wir ersetzen vergangenheitsbezogene Darstellungen durch Frühwarn-Indikatoren: Wie lange brauche ich noch? Wie hoch ist mein Risiko noch? Dies wird transparent kommuniziert. Durch solche Funktionen pflegen sich Projekte quasi von selbst, so dass ich selbst zur Pflege größerer Projekte nicht mehr die üblichen zehn oder zwölf Mitarbeiter brauche.

Auf welche Weise können Unternehmen Ihre Software einsetzen?
Durch die Cloud-Architektur benötigen die Anwender keine Server und auch keine installierten Rechner. Mit jedem Browser oder Mobilgerät kann man sich einloggen, weitere Teilnehmer in das Projektteam einladen und mit Berechtigungskonzepten festlegen, wer Daten lesen und verändern darf. Wir lassen Anwendern die Wahl zwischen einer public oder private Cloud. Es ist auch möglich, die Software ohne große Downloads oder Speicherplatz on premise zu nutzen. Wegen der Vorteile bei Kosten und Verfügbarkeit geben wir aber eine klare Empfehlung für die Cloud ab. Dabei werden die Daten in Deutschland gehostet, sodass alle für große Unternehmen geltenden Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden.

Wie geht Actano die Herausforderungen der Zukunft an?
Es reicht schon lange nicht mehr, mit Sharepoint und ähnlichen Mitteln Projekte zu steuern, wenn man mit der Schnelligkeit des Software-Markts, mit Cloud-Anbietern und PLM-Plattformen mithalten will. Actano entwickelt seine Lösungen deshalb nicht alleine, sondern mit Partnern, die in ihrem Fachbereich marktführend sind. Dadurch können die Anwender bei Bedarf Apps verwenden, die das richtige Werkzeug für ihren Anwendungsfall sind. Beispiele dafür sind Slack, ein mit MHP entwickelter Reifegradmanager, oder ein neuer Ressourcenplaner.

Was war der Hauptgrund für die Zusammenarbeit mit IPO.plan?
Wir sind mit einem Marktführer für Visualisierung und Rendering zusammengegangen, damit wir 3D-Modelle im notwendigen Detaillierungsgrad mit der Projektplanung verbinden können. So lassen sich virtuelle Inbetriebnahmen durchführen, Abnahmen im Vorfeld einer Anlagenaufstellung generieren oder Brandmeldeanlagen virtuell überprüfen, bevor eine Halle gebaut ist. Vorabnahmen durch Zertifizierer oder Konzeptionsfreigaben lassen sich in Zukunft mit 3D-Modellen erreichen. 3D-Modelle stellen Projektabläufe plastischer dar, so können die Beteiligten besser kommunizieren. Zusätzlich entstehen mit den 3D-Datenbanken vielfältigere Möglichkeiten, Daten zu speichern und Auswertungen zu betrachten.

Welche Vorteile ergeben sich in der Automobilindustrie sowie dem Maschinen-und Anlagenbau?
Durch die Verbindung aus Zeitstrahl und 3D-Geometrie entstehen neue Möglichkeiten, die wir heute noch nicht vollständig überblicken. Eine Möglichkeit wäre, nach erfolgreich durchgeführten Projekten Templates und Datenbanken an andere zu verkaufen, die Ähnliches vorhaben. Theoretisch lassen sich Projekte mitsamt Baugruppen, Modulen und Elementen anderen Anwendern zur Verfügung stellen. Wer etwa eine neue Lackierfabrik errichten will, kann eine entsprechende Vorlage kaufen und gewinnt die Erfahrung und das Wissen aus den Vorgängerprojekten. Doch an dieser Stelle beginnt unsere Vision. Es gibt auch praktischere Gründe, warum wir so etwas machen…

…welche da wären…
…wir können durch IPO.plan virtuelle Besprechungsräume darstellen. Auf dem Tisch baut sich dann ein 3D-Modell auf und macht das gesamte Projekt mit allen Aspekten zu Qualität, Kosten und Termin erlebbar. Statusmeetings bilden damit wirklich die Realität ab. Mit einem Regler kann man den betrachteten Zeitpunkt verschieben, um beispielsweise nach der Entwicklungsphase den Aufbau zu erleben. Das alles lässt sich mit Fotos der realen Anlagen oder Maschinen mit ihren Bedienungsanleitungen anreichern, denn in diesem Datenmodell kann man beliebig viele Informationen vernetzen. Dokumente lassen sich über das ganze Projekt dort ablegen, wo sie benötigt werden. Im Moment arbeiten wir gemeinsam mit Kunden bereits an echten Anlagenprojekten, um einen Proof of Concept für den plastischen 4D-Anlagenbau zu erreichen.

Vielen Dank für die Stellungnahme!
Interview: Thomas Thosse

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