Siemens setzt auf Datenwolke

NÜRNBERG, Anfang März (bv). Die Siemens AG mit Sitz in Berlin und München baut sein Angebot für die Digitale Transformation deutlich aus. Dies wurde gestern auf der Vor-Hannover-Messe-Pressekonferenz deutlich. Auf der kommenden Industriemesse, die vom 25. bis 29. April in der niedersächsischen Landeshauptstadt stattfinden wird, will der Mischkonzern Innovationen für die Energieverteilung, Automatisierungs- und Antriebstechnik sowie Industriesoftware zeigen. Das Standmotto soll in diesem Jahr „Ingenuity for life – driving the Digital Enterprise“ lauten und Antworten auf eine unter dem Eindruck der zunehmenden Vernetzung stehende Industrie geben. Vor Pressevertretern machte der CEO der Division Digital Factory, Anton S. Huber, die Bedeutung von Software-Lösungen in Siemens‘ Portfolio deutlich: „Wir müssen immer schneller werden. Das Internet ist unser Antrieb.“ Selbst chinesische Firmen setzten inzwischen auf Hightech, unter anderem aus dem Hause Siemens. 

Huber ging auf die Akquisitionsstrategie seines Hauses ein, um die Vision des vollständig digitalen Unternehmens („Digital Enterprise“) Realität werden zu lassen. Insgesamt wurden seit 2007 mehr als fünf Milliarden Euro in Zukäufe von 18 Firmen investiert, wobei hierbei die jüngst in CD-adapco (Anbieter von Strömungssimulationssoftware) investierten 970 Millionen eingerechnet sind. Huber kündigte eine kommerziell verfügbare Version von Teamcenter für das kommende Jahr an, die konventionelle PLM-Produktdatenmodelle mit logischen Datenmodellen verknüpft. Dies ist für die Anbindung von Produktinformationen an die Fertigungsautomatisierung von großem Vorteil, auch bekannt unter dem Stichwort „Closed Loop Manufacturing“. Ein entsprechender Showcase soll auf der kommenden Hannover Messe in Halle 9 zu sehen sein.
Eine weitere strategische Lösung in diesem Kontext ist MindSphere, Siemens‘ Cloud-Lösung für die Industrie. Die Plattform, die auf der SAP-Hana-Technologie basiert, ist zunächst als Beta-Release verfügbar und soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. MindSphere versteht sich als offenes Ökosystem, mit dessen Hilfe Kunden ihre eigenen Dienstleistungen zur Verfügung stellen können, etwa im Bereich der vorausschauende Instandhaltung, Energiedatenmanagement oder Ressourcenoptimierung. Die Plattform diene dem Übergang, war am Rande der Pressekonferenz zu hören, dass sich der „Software-Nutzer zum Software-Gestalter“ weiterentwickle, um so neue Geschäftschancen zu erschließen. 

Folgendes zum Hintergrund: Ein Smartphone verfügt typischerweise über sechs Sensoren, die bekanntermaßen zu einer Fülle von Applikationen (Apps) führen. Etwa Gesundheitsapps. Von einem Antriebstrang lassen sich typischerweise 2000 Datenpunkte abgreifen. Jedoch ist hierzu ein sehr spezielles domänenspezifisches Wissen notwendig, um sinnvolle Applikationen daraus abzuleiten. Darüber verfügt im Allgemeinen nur der Hersteller, etwa von Motoren. Es geht um die entscheidende Frage, wie sich aus diesen Daten Werte schaffen lassen, die sich in Geschäftsmodelle ummünzen lassen. Eine Sprecher brachte es auf der Veranstaltung auf den Punkt: „In der Industrie werden Daten nicht verschenkt. Das ist etwas ganz anderes als im Konsumerbereich.“
MindSphere ist auch die Grundlage für daten-basierte Services von Siemens selbst, beispielsweise zur vorausschauenden Instandhaltung von Werkzeugmaschinen („Machine Tool Analytics“) oder von integrierten Antriebssystemen („Drive Train Analytics“). Immerhin liefert das Unternehmen pro Jahr 2,5 bis 3 Millionen entsprechender Geräte aus.
Zum herstellerunabhängigen Anschluss von Maschinen und Anlagen an MindSphere bietet Siemens eine sogenannte Connector Box an. Diese wurde auf Basis der in der Pilotphase gesammelten Erfahrungen entwickelt und steht Kunden nun unter dem Namen „MindConnect Nano“ zur Verfügung. In Zukunft werden weitere Möglichkeiten zur Anbindung an die Cloud-Lösung bereitgestellt (zum Beispiel per Software Development Kit, Software Agent, Integration in Simatic).

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