Generative künstliche Intelligenz hat Einzug in die deutschen Hochschulen gehalten und prägt inzwischen den Lehr- und Lernalltag (unser Bild Pixabay). Mit dem Ziel, den Stand dieser Maßnahmen zu untersuchen, befragte das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) von Mai bis Juni 2025 öffentliche Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW). Hier erste Ergebnisse des sogenannten KI-Monitors 2025 und Anmerkungen der Redaktion am Schluss des Beitrags.
Die Ergebnisse zeigen, dass öffentliche Hochschulen gute Grundlagen für den Einsatz von KI geschaffen haben. Das HFD wertet dies als Zeichen, dass KI zur neuen Hochschulrealität gehört.
Trotz der operativen Fortschritte offenbart der KI-Monitor 2025 Defizite in der strategischen Ausrichtung. Es fehle weiterhin an einer klaren Vision, wie Hochschulbildung im Zeitalter von KI gestaltet sein soll. Laut der Studie beschäftigen sich zwar 97 Prozent der Hochschulen mit KI in Prüfungen und 87 Prozent haben ihre Eigenständigkeitserklärungen aktualisiert – aber nur 43 Prozent haben die Prüfungsordnung generell angepasst.
Den größten Handlungsdruck sehen die Hochschulen selbst im Prüfungswesen. Hinsichtlich dieser Auswirkungen stellt Marco Barenkamp, Honorarprofessor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Osnabrück und einer der Initiatoren der Erhebung, fest, dass sich Prüfungen von einer reinen Ergebnisorientierung hin zu Prozess- und Verständnisorientierung entwickeln müssten.
„Wenn Texte in guter Qualität generiert werden können, halte ich die Frage ‚Wer hat das formuliert?‘ für weniger relevant als das Kriterium ‚Versteht die Kandidatin oder der Kandidat den Inhalt, kann sie oder er ihn erklären und auf neue Fälle anwenden?‘.
Man kommt zur Auffassung, dass mündliche Prüfungen, Präsentationen und dialogische Formate in der Hochschulpraxis an Bedeutung gewinnen dürften. Ergänzend könnten klare Transparenzregeln einen verlässlichen Rahmen dafür bieten, wie KI in Prüfungsleistungen eingesetzt werden darf und wie Studierende diesen Einsatz kenntlich zu machen haben.
Zwei-Klassen-Gesellschaft?
Ein zentraler Punkt des Monitors ist die Sorge vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während große Universitäten Lizenzen für Modelle wie Gemini 3 finanzieren können, drohen kleinere Hochschulen den Anschluss zu verlieren. Fast dreimal so viele Vertreter großer Hochschulen gaben an, dass die Budgetentwicklung für langfristige KI-Nutzung auf der Agenda stehe, im Vergleich zu kleineren Einrichtungen.
Interessant ist hierbei der Trendwechsel: Im „Monitor Digitalisierung 360°“ (2023/24) reagierten große Hochschulen noch eher zurückhaltend auf KI. Dieser Effekt ist nun verflogen – in vielen Handlungsfeldern liegen die großen Institutionen laut der aktuellen Befragung inzwischen weit vorne.
Befragt nach einer expliziten KI-Strategie geben 15 Prozent der Hochschulen an, bereits über eine solche forumuliert zu haben. Weitere 50 Prozent entwickeln derzeit eine Strategie, während 35 Prozent noch keine vorweisen können. Weitere Informationen hier.
Anmerkung der Redaktion: Es gibt viele Lesarten zu dieser statistischen Vorhersagetechnik der Abfolge von Wörtern. Klar ist, KI kennt keine Moral und hat keinen Respekt vor den Mühen des Erwerbs wirklich neuer Erkenntnisse. Kritische Stimmen sprechen daher von einem „Terror der Vergangenheit und Gegenwart“, der versucht wird, auf die Zukunft anzuwenden. Allein entscheidend ist für KI, dass dieses Wissen im Zugriff ist, Urheberrecht hin oder her. Mit einem Schuss Empathie wird es dann dem Recherchenden präsentiert, der sich allzu gerne von den Inhalten in den Bann ziehen lässt. Auf der anderen Seite ist KI unglaublich schnell und mitunter sehr treffsicher, gerade dann, wenn sie gezielt trainiert wurde (Stichwort: SLMs).
Die Hochschulen stehen vor der Herausforderung, sich klar zu einer neue Art von Bildungsvermittlung zu positionieren (unsere kühne Ansicht: Bildung muss auch weiterhin ein Stück weit Mühsal bedeuten), wobei das Trainieren des Erinnerungsvermögen (zum Beispiel Kopfrechnen) nicht vernachlässigt werden darf. Auch dürfen die Hochschulen nicht der Verführung zum Opfer zu fallen, permant KI-Fördermittel einzuwerben, weil das ja derzeit eben das Maß der Dinge zu sein scheint. Eine nachhaltigen KI-Strategie, die hier angemahnt wird, hat auch zum Inhalt, vor dem innersten Kern von Bildung auch weiterhin den Hut zu ziehen.










