Studie: „Circular Economy“ erschließt neue Wachstumspotenziale

BERLIN, 25. Januar. Die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft hinterlässt deutliche Spuren, zum Beispiel bei der Nachfrage nach Papiersorten. Recycling-Papiere werden immer beliebter, wobei der Gesamtmarkt für Papier durch den zunehmenden Online-Handel eher schrumpft. Nirgends anders auf der Welt als hier in Mitteleuropa liegt die Recycling-Quote bei Papier bei über 70 Prozent – Altpapier ist inzwischen zum wichtigsten Rohstoff für die gesamte Verpackungsindustrie geworden und Beweis dafür, dass sich ein neuer Markt entwickelt. Doch ist das nur ein Beispiel.
In Deutschland könnten bis 2030 durch das Wirtschaftsmodell einer sogenannten „Circular Economy“, was nicht anderes als eine konsequent umgesetzte Kreislaufwirtschaft bedeutet, die Ausgaben für Mobilität, Wohnen und Lebensmittel um 25 Prozent sinken. Durch dieses Prinzip, in der Rohstoffe möglichst abfall- und emissionsfrei so lange wie möglich wiedergenutzt und durch Sharing-Konzepte geteilt werden, könnte die Wirtschaft im Land sogar um jährlich 0,3 Prozentpunkte schneller wachsen als bisher. Dies sind die zentralen Ergebnisse für Deutschland der Studie mit dem Titel „Growth Within: A circular economy vision for a competitive Europe“, die heute in der Bundeshauptstadt vorgestellt wurde. Erstellt wurde die Studie von der Ellen MacArthur Foundation, dem McKinsey Zentrum für Geschäft und Umwelt und dem Stiftungsfonds für Umweltökonomie und Nachhaltigkeit „SUN“. 
Große Aktualität hat der Themenkomplex durch den Aktionsplan „Circular Economy“ erhalten, den die EU-Kommission im vergangenen Dezember vorgestellt hat. Ziel sei es, Europa zum Vorreiter einer wettbewerbsfähigen und ressourceneffizienten Ökonomie zu machen, heißt es hierzu in einer Unternehmensmeldung.
„Von der Einführung einer Kreislaufwirtschaft würden in Deutschland vor allem die privaten Haushalte profitieren“, sagte Martin Stuchtey, Co-Autor der Studie des McKinsey-Thinktanks, während der Vorstellung der Untersuchung. Das durchschnittlich verfügbare Haushaltseinkommen könnte bis 2030 um bis zu 3 000 Euro jährlich zusätzlich ansteigen. Die Kosten beispielsweise für Verkehrsstaus und für Wohnraum ließen sich um ein Fünftel verringern, so die Autoren der Studie. Auch der CO2-Ausstoß könnte gemessen am aktuellen Niveau um rund die Hälfte sinken. Zudem ließe sich der Rohstoffverbrauch durch Auto- und Gebäudebau, Kunstdünger, Pestizide, landwirtschaftliche Wassernutzung und fossile Brennstoffe bis 2030 im Vergleich zu heute um bis zu einem Drittel senken.
Die Studie zeigt auch: Auf Grund seiner hohen Ressourcen-Abhängigkeit und der innovativen und stark mit Dienstleistungen verschränkten Industrie ist Deutschland gut aufgestellt, um überproportional von einer Kreislaufwirtschaft zu profitieren. Acatech-Präsidiumsmitglied Hermann Requardt (unser Bild) bekräftigte in seinem Beitrag bei der Vorstellung: „Die nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Rohstoffen durch das Schließen von Stoffkreisläufen, die Entwicklung kreislauffähiger Werkstoffe der Zukunft sowie neue Verfahren des Recycling werden immer stärker ausschlaggebend für die glo­bale Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrien sein.“ Requardt kündigte an, dass die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) diese Entwicklung bei der Beratung von Politik und Gesellschaft in technologiepolitischen Fragen aufgreifen werde.

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