Werkzeugmaschinenbranche zur AMB positiv gestimmt

Russland ist im Moment eines der beherrschenden Themen in Politik und Wirtschaft. Die jüngst von der EU beschlossenen Sanktionen werden nicht nur Auswirkungen auf die russische Wirtschaft haben. Rückwirkungen auf die deutsche und europäische Wirtschaft seien nicht auszuschließen, befürchtet der VDMA, vor allem dann, wenn Russland Gegensanktionen beschließt. Dennoch blicken die meisten Werkzeugmaschinenbauer recht zuversichtlich in die Zukunft, wie der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) betont. Und auch die Hersteller von Präzisionswerkzeugen reisen guten Mutes auf die AMB, die internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, die vom 16. bis 20. September 2014 in Stuttgart stattfindet. Ihre optimistischen Wachstumsprognosen von Anfang des Jahres erhalten sie aufrecht. Zur kommenden AMB 2014 werden mehr als 90.000 Fachbesucher und rund 1.300 Aussteller erwartet. 

Die meisten Hersteller von Werkzeugmaschinen und Präzisionswerkzeugen scheinen bislang von dem schwächelnden Export noch nicht allzu sehr betroffen zu sein, heißt es beim VDW. Geschäftsführer Wilfried Schäfer (unser Bild): „Im Schnitt geht es der Branche momentan unverändert gut; unsere Prognose eines Produktionswachstums von rund drei Prozent scheint angesichts der Auftragsbestände zur Jahresmitte bereits gesichert.“
Trotz Russlandkrise und anderen Unwägbarkeiten blieb der Branchenprimus DMG Mori Seiki, der gerade ihre Halbjahreszahlen vorlegte, genau im Plan. Demnach stieg der Auftragseingang der Bielefelder um 13 Prozent und der Umsatz legte um 6 Prozent zu. Dabei übertrafen die Zuwächse der Inlandsbestellungen die aus dem Ausland, was die These des starken Inlandsmarkts bestätigt.  

Service wird immer wichtiger fürs Geschäft

Positiv gestimmt ist man auch beim AMB-Aussteller Haas Automation Europe, US-amerikanischer Werkzeugmaschinenhersteller mit Europaniederlassung in Brüssel. Dort kletterte der Umsatz im ersten Halbjahr um 30 Prozent im Vergleich zum ersten Vorjahreshalbjahr. Damit habe man weit über der Wachstumsprognose des europäischen Werkzeugmaschinen-Dachverbandes Cecimo von zwei Prozent gelegen. Jens Thing, seit dem Frühjahr Europa-Geschäftsführer, führt den ungewöhnlichen Erfolg auch auf die 37 Factory Outlets in Europa zurück: „Unsere Kunden wissen es zu schätzen, dass die Produkte und der Support von Haas in Bezug auf Wert, Leistung und Zuverlässigkeit genau ihren Erwartungen entsprechen. Das gilt umso mehr, da sie die Möglichkeit haben, Maschinen großer einheimischer Zulieferer zu erwerben.“ Haas will seinen Umsatz in den nächsten Jahren auf zwei Milliarden US-Dollar verdoppeln. Europa spiele dabei die wichtigste Rolle.

Erfolgsfaktoren identifiziert

Soeben ist die Studie „Zukunftsperspektive deutscher Maschinenbau“ des VDMA erschienen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung McKinsey & Company, bei der 333 Unternehmen aller Größenordnungen teilnahmen. Zehn Erfolgsmuster kristallisierten sich dabei heraus. Für die einen ergibt sich Erfolg durch Größe, Innovationskraft und Internationalisierung, aber auch durch Fokussierung auf das Kerngeschäft und operative Exzellenz. Andere profitieren von den spezifischen Vorteilen als Lösungs- oder Komponentenanbieter, einer Premiumposition oder eben einem erfolgreichen Aftersales- und Servicegeschäft. „Mit einer durchschnittlichen Ebit-Marge von über sechs Prozent im Jahr 2012 und einem Umsatzwachstum von jährlich mehr als zwei Prozent seit 1995, ist der Maschinen- und Anlagenbau ein Symbol für die deutsche Wirtschaftskraft“, konstatierte VDMA-Präsident Reinhold Festge bei der Vorstellung der Studie. Doch die Wettbewerbsbedingungen veränderten sich: Vor allem Billiganbieter mit steigender Qualität verschärften den Wettbewerb in Branchen. Das führt zu einer Art Spagat, denn gleichzeitig forderten Kunden immer häufiger individuelle Systemlösungen. Fast drei Viertel der befragten Unternehmen vermelden der Studie zufolge eine steigende Nachfrage nach kundenspezifischen System- und Integrationslösungen. Die Verlagerung der Nachfrage in Länder außerhalb Europas sehen längerfristig 70 Prozent. 60 Prozent sehen Aftersales und Service als wichtige Zukunftsthemen.
Die Studie gibt nicht nur den Status quo wieder, sondern leitet sechs Handlungsfelder für die Zukunft ab. Dabei habe man versucht, die ermittelten Erfolgsfaktoren miteinander zu kombinieren. So sollten Unternehmen auf die Verlagerung der Exportmärkte mit einer zielgerichteten Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie mit dem jeweils passenden Geschäftsmodell reagieren. Der Ausbau des Aftersales- und Servicegeschäfts könne durch integrierte Lösungen und eine optimierte Servicestrategie beflügelt werden. Weitere Standardisierung und Modularisierung soll helfen, den Spagat zwischen preissensiblen Kunden einerseits und auf individuelle Lösungen wert legende Kunden andererseits zu bewältigen. Der Produkt-und Portfoliowert eines Unternehmens lasse sich durch kundenwertorientierte Innovation und kontinuierliche Reduzierung der Produktkosten optimieren. Um die Qualitäts- und Produktivitätsvorteile des Standorts Deutschland zu erhalten, müsse eine exzellente heimische Wertschöpfung angestrebt werden, wobei neue Technologien wie die mit Industrie 4.0 in Zusammenhang stehenden helfen.  

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