web-3706562_1280Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Zukunft gestalten mit KI

Künstliche Intelligenz (KI) wird unsere Wirtschaft ähnlich stark verändern wie einst das Internet. Um mit dem internationalen Wettbewerb Schritt zu halten, müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle anpassen. Dazu nötig sind eine klare KI-Vision und branchenübergreifende Kooperationen, empfehlen Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme in einem aktuellen Bericht. Er gibt Unternehmen einen Leitfaden an die Hand und zeigt, wie sie KI systematisch nutzen können. Fallbeispiele veranschaulichen dies. Der Bericht adressiert Gestaltungsoptionen an Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, um die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

München, 25. Oktober 2019 – Die Wirtschaft ist im Wandel: Traditionelle produktorientierte Geschäftsmodelle werden in nahezu allen Branchen abgelöst von datengetriebenen Produkten und Dienstleistungen, die zunehmend auf KI basieren. „Deutsche Unternehmen verfügen über einen immensen Schatz an Maschinen- und Betriebsdaten. Das ist ihr Wettbewerbsvorteil. Sie müssen diese Daten mithilfe von KI wirtschaftlich nutzbar machen und daraus innovative Geschäftsmodelle entwickeln, die auf unseren europäischen Werten basieren. Dann können sie vor allem im B2B-Bereich – zum Beispiel in der Industrie, also im Maschinenbau, in der Automobilindustrie oder der Chemiebranche – weltweit an der Spitze mitspielen“, sagt Dr. Wolfgang Faisst, Leiter von S/4 NEXT bei der SAP SE und Co-Leiter der Arbeitsgruppe Geschäftsmodellinnovationen der Plattform Lernende Systeme, die den Bericht „Neue Geschäftsmodelle mit Künstlicher Intelligenz“ verfasst hat.

Die Autorinnen und Autoren zeigen auf, wie Unternehmen KI erfolgreich in ihr Geschäft integrieren und benennen Stolpersteine. „KI ist für viele Unternehmen leider immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Für die Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells mit KI gibt es kein Schema X, denn jedes Unternehmen ist anders. Dennoch gibt es einige Schritte, die bei der strategischen Konzeption und Umsetzung eines Geschäftsmodells hilfreich sind. Das fängt zunächst damit an, die Möglichkeiten und Technologien der KI zu verstehen als auch die Potentiale für das eigene Unternehmen zu identifizieren. Der Frage, was mit KI im eigenen Unternehmen erreicht werden kann und soll, muss strategisch vorangetrieben werden“, sagt Susanne Boll-Westermann, Professorin für Medieninformatik und Multimedia-Systeme an der Universität Oldenburg und Co-Leiterin der Arbeitsgruppe Geschäftsmodellinnovationen.

Unternehmen müssen den Mehrwert, den KI ihnen bringen kann, richtig einschätzen. Die Autorinnen und Autoren raten einen Anwendungsfall für KI zu wählen, der zu den Zielen des Unternehmens passt. „Wichtig ist, dass Unternehmen sich nicht auf die Verbesserung der internen Prozesse mit KI konzentrieren, sondern bei Geschäftsmodellinnovation den Kundenvorteil und neue Produkte in den Blick nehmen. Natürlich ist es gewinnbringend, wenn mit KI Produktionsprozesse optimiert werden. Möglicherweise werden aber vielversprechende neue Anwendungsfälle in den Kernbereichen des Unternehmens übersehen“, so Susanne Boll-Westermann.

Häufig scheuen Unternehmen hohe Investitionen oder nehmen an, KI sei in ihrer Branche nicht anwendbar. Der Bericht entkräftet die gängige Vorstellung, dass KI nur für große Unternehmen und mit hohen Investitionen umsetzbar ist. So brauche nicht jedes Unternehmen sein eigenes KI-Produkt.

„Selten verfügt ein Unternehmen allein über alle notwendigen Kompetenzen, die Infrastruktur, Technologien und den Kundenzugang für eine KI-basierte Lösung. Häufig fehlt technologisch starken Unternehmen das Wissen in den
Bereichen digitaler Geschäftsmodelldefinition, Softwareentwicklung und vor allem in der Vermarktung. Unternehmen sollten deshalb in ihrem digitalen Ökosystem passende Allianzen schmieden, um zum Beispiel die benötigten Kompetenzen zu erhalten, aber auch Daten und Infrastruktur zu teilen“, rät Wolfgang Faisst. Auch „AI as a Service“- Anbieter, die Dienstleistungen rund um KI verkaufen, können als Partner herangezogen werden.

Ein weiteres wichtiges Element für ein erfolgreiches KI-basiertes Geschäftsmodell ist seine kontinuierliche Pflege und Weiterentwicklung werden. Die Qualität von KI-Anwendungen kann mit der Zeit abnehmen, etwa weil sich das Kundenverhalten ändert. Häufig fehlen den Unternehmen solche Wartungsstrategien für ihre KI-Lösungen.

KI verändert auch berufliche Profile. Um KI-Geschäftsmodelle umsetzen zu können, müssen Fachkräfte eingestellt und bestehendes Personal weitergebildet werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten sich schrittweise an die KI gewöhnen können. Die Autorinnen und Autoren raten, KI-Systeme abteilungsübergreifend zu entwickeln und zunächst für Assistenzfunktionen einzusetzen, sodass der Mensch weiterhin die finale Entscheidung trifft. Nur wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das neue System verstehen und ihm vertrauen, kann die Einführung von KI gelingen.

Der Bericht ist verfügbar unter https://www.plattform-lernende- systeme.de/files/Downloads/Publikationen/AG4_Bericht_231019.pdf

Einen Überblick über zentrale Inhalte des Berichts gibt die Plattform unter https://www.plattform-lernende- systeme.de/bericht-ag4.html

Über den Bericht
Der Bericht „Neue Geschäftsmodelle mit Künstlicher Intelligenz“ unterstützt Unternehmen mit Fallbeispielen und einem Leitfaden bei der Entwicklung und Implementierung von KI-basierten Geschäftsmodellinnovationen. Die Autorinnen und Autoren formulieren ein Zukunftsbild und Gestaltungsoptionen, um die richten Rahmenbedingungen für KI-Geschäftsmodelle zu schaffen. Der Bericht wurde von der Arbeitsgruppe Geschäftsmodellinnovationen der Plattform Lernende Systeme verfasst. Als eine von insgesamt sieben Arbeitsgruppen identifiziert und analysiert sie neue Geschäftsmodelle auf Basis von Künstlicher Intelligenz sowie das wirtschaftliche Potenzial Lernender Systeme.

Über die Plattform Lernende Systeme
Die Plattform Lernende Systeme wurde 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf Anregung des Fachforums Autonome Systeme des Hightech-Forums und acatech gegründet. Sie vereint Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft aus dem Bereich Künstliche Intelligenz. In Arbeitsgruppen entwickeln sie Handlungsoptionen und Empfehlungen für den verantwortlichen Einsatz von Lernenden Systemen. Ziel der Plattform ist es, als unabhängiger Makler den gesellschaftlichen Dialog zu fördern, Kooperationen in Forschung und Entwicklung anzuregen und Deutschland als führenden Technologieanbieter für Lernende Systeme zu positionieren. Die Leitung der Plattform liegt bei Bundesministerin Anja Karliczek (BMBF) und Karl-Heinz Streibich (Präsident acatech).

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