Abgleich von Konstruktions- und Fertigungsstückliste

Typischerweise denken Konstrukteure eher in der Dimension einer Funktionalität bei ihrer Entwicklungsarbeit und gliedern deshalb ihre Produktstruktur dahingehend. In der Fertigungsvorbereitung indes wird das Produkt in Form von Montagereihenfolgen aufgebaut. Nehmen wir die Gangschaltung eines Fahrrads hierzu als Beispiel. Die Funktion „Schalten“ besteht aus einem Umwerfer, Schalthebel und Bowdenzug. In der Konstruktionsstückliste wird dies als Unterbaugruppe „Schaltung“ zusammengefasst. In der Montage werden jedoch zuerst der Umwerfer am Rahmen und der Schalthebel am Lenker vormontiert. Anschließend wird das Fahrrad montiert und zum Schluss kann der Bowdenzug eingezogen werden (siehe Grafik). Man erkennt also, es sind sehr unterschiedliche Strukturen der gleichen Unterbaugruppe.
Hat das Produkt einen bestimmten Reifegrad erreicht, werden die Produktdaten, unter anderem in Form von Stücklisten an die Fertigung übergeben. Dabei stellt sich aufgrund des zuvor Beschriebenen immer wieder heraus, dass eine in der Produktentwicklung erstellte Konstruktionsstückliste nicht unmittelbar in eine Fertigungsstückliste überführt werden kann, weil eindeutige 1:1-Beziehungen fehlen.
In der Vergangenheit wurde von den PLM-Systemanbietern versucht, die Gesamtstruktur in einer verallgemeinerten Struktur, der sogenannten 150-Prozent-Stückliste, abzubilden. Allerdings besteht so die Gefahr, dass die Datenverwaltung sehr aufwendig wird und Einbußen bei der Performance des Systems hingenommen werden müssen, insbesondere dann, wenn eine große Anzahl von Produktvarianten zu verwalten sind. Die SAP AG mit Sitz in Walldorf kann aufgrund seiner Kompetenz in den Bereichen Engineering und Fertigung/Logistik gleichermaßen mit dem SAP-PLM-Modul PSS besonders elegantes Schnittstellen-Management anbieten. „Jede Abteilung erhält mit unserem Angebot eine auf die jeweiligen Bedürfnisse speziell zugeschnittene Struktur, die bei Bedarf nach Belieben geändert werden kann. Es ist sichergestellt, dass der Anwender nicht unbeabsichtigt Daten der anderen Abteilungen manipuliert“, erläutert Gerhard Himmelsbach vom SAP Solution Management PLM. Einerseits werden auf diese Weise neue Freiräume geschaffen – die Konstruktion muss sich bei der Strukturierung der Produkte nicht um Vorgaben aus der Fertigung kümmern –, allerdings wird damit auch die Datendurchgängigkeit ein Stück weit zwischen beiden Bereichen aufgegeben. Um die Konstruktions- und die Fertigungsstückliste miteinander zu synchronisieren, wurde deshalb der benutzergeführte Abgleich beider Stücklisten entwickelt.

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