d1g1tal AGENDA 2022/01 (digital)

d1g1tal Agenda 2022/01 Additive Fertigung

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Altes Denken in die Schranken weisen

Editorial der d1g1tal AGENDA Ausgabe 2022/01

BADEN-BADEN, April (bv). Wer Grenzen verschieben will, muss keinen Krieg beginnen. Und dieses Verschieben von Grenzen ist auch nichts Verwerfliches, zumindest nicht in der Produktentstehung. Denn MBSE, die modellbasierte Systementwicklung, hat nichts anderes im Sinn, als Aufgaben und damit Systemgrenzen zwischen Produkten und Anwendern neu zu verteilen – und das aus gutem Grund. Nehmen wir das Fahrzeug in Verbindung mit autonomem Fahren als Beispiel: Der Fahrer wird dabei zum Fahrgast, zumindest zeitweise. Seine Rolle ist dann nicht mehr, Herr über die Systeme zu sein, sondern einer anderen Instanz zu vertrauen, die die Zukunft – wenn auch nur im Sekundenbereich – bereits berechnet hat und genau weiß, was zu tun ist. Mehr zur Zukunft der Fahrzeugentwicklung ab Seite 60 in dieser Ausgabe.

Derartige Grenzüberschreitungen werden wir an vielen Stellen erleben. Die Kombination aus Systementwicklung – ein Produkt wird ganz gezielt in einem Anwendungskontext mit Dienstleistungsangeboten modelliert – in Verbindung mit Digitalisierung – Prozesse werden von Algorithmen sicher ausgeführt – wird dazu führen. Das ist eine gute Nachricht, wenn wir nicht vergessen, dabei konsequent Nachhaltigkeit einzufordern. Der Beitrag über Green PLM ab Seite 86 gibt hierzu Denkanstöße.

Systementwicklung bedeutet, zwar Einfluss zu nehmen, aber gleichzeitig nicht mehr alle Fäden in der Hand zu halten. Nicht nur dem OEM, sondern allen Teilnehmern des Ökosystems wird bewusst Freiraum in Hinsicht auf die Wertschöpfungs- und Nutzungsbeiträge zugebilligt. Dieser Föderalismus ist weit weg vom autoritären Ansatz des Pipe Thinking, bei dem ein Hersteller nur das anbietet, was er aus seiner Sicht an Funktionsumfang liefern kann und wovon meint, der Markt brauche es. Mit anderen Worten: Doktrinär an bereits gezogenen Grenzen festzuhalten ist nicht mehr zeitgemäß. Heute ist es Wladimir Wladimirowitsch Putin, morgen wird es der Klimawandel sein, der Grenzen in Fragen stellt. Wichtig ist, mit Herz und Verstand an dem festzuhalten, was sich im Sinne eines erweiterten Nachhaltigkeitsbegriffs bewährt hat, und dort neue Angebote zu schaffen, wo Raum für Verbesserungen ist – das gilt in der Politik und im Ingenieurwesen gleichermaßen.

Die Titelgeschichte projiziert den nebulösen Begriff „digitales Ökosystem“ auf die industrielle Praxis des Maschinen- und Anlagenbaus, präziser ausgedrückt: aufs Detail Engineering der Automatisierung. Allein in diesem eng abgegrenzten Teilbereich müssen bereits sehr viele Parteien auf eine gemeinsame Linie eingeschworen werden (im Sinne des Datenaustauschs), was ein großes Engagement des Systemanbieters – in diesem Fall die Eplan Software & Service GmbH – verlangt. Mehr dazu ab Seite 12 in dieser Ausgabe.

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Ihr d1g1tal AGENDA Team

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